Aufnahmen aus dem Film und Seiten aus den deutschen Akten
Recherche — Indonesien 1965

Wie Deutschland einen Völkermord finanzierte

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Archivfoto: Bewaffnete und ein Soldat packen einen Mann, der sich den Kopf hält.

Indonesien 1965

Archivfoto

Ab 1965 wurden in Indonesien zwischen 800.000 und drei Millionen Kommunisten ermordet; schon im Februar 1966 zählten Bonns eigene Akten fast 800.000 Tote. Sechs der ersten sieben westdeutschen Botschafter in Jakarta waren NSDAP-Mitglieder oder NS-Propagandisten gewesen. Bonn zählte die Leichen Woche für Woche, nannte das Gemetzel „eine ganz in unserem Sinne liegende Bereinigung“, gab in den folgenden Jahren Gewehre und Munition für die Armee der Mörder frei und drängte darauf, ihr Sprengstofffabriken zu verkaufen.

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Archivaufnahmen aus dem Film
Inhalt · 13 Kapitel
  1. 01„Endlich!“ Wie Deutschland den Putsch begrüßte
  2. 02Der Vorwand: was Bonn wusste und was es glauben wollte
  3. 03„Eine ganz in unserem Sinne liegende Bereinigung“
  4. 04Propaganda made in Germany
  5. 05„Aktionsprogramm Indonesien“: gegen den Kommunismus, für die Armee
  6. 06Die Kommunisten vernichten: ein Argument für Unterstützung
  7. 07Der deutsche Staat als Waffenhändler
  8. 08Das Morden als Verkaufsargument
  9. 09Die Bundeswehr, der BND und die Mörder
  10. 10„Blut, Leichen, Beine, Köpfe“
  11. 11Was Deutschland wusste
  12. 12Nazis für Jakarta
  13. 13„Schulter an Schulter“: Bonn, Washington und die Sieger
  14. —Zeugnisse
  15. —Die Akten
  16. —Quellen
  17. —Kontakt

2014 erklärte die Bundesregierung dem Bundestag, sie habe keine genauen Erkenntnisse darüber, wie viele Menschen 1965 und 1966 in Indonesien getötet wurden. Ihre eigenen Archive sagen etwas anderes: Schon im Februar 1966 zählten sie fast 800.000 Tote. Und sie sprechen Klartext, Wort für Wort: ein Beamter in Bonn, der die Nachricht vom Putsch mit „ENFIN!“ begrüßte, zu Deutsch: endlich; das Auswärtige Amt, das festhielt, dass „die indonesischen Streitkräfte die kommunistische Partei systematisch vernichten“; und für die Waffen, die folgten: „keine Bedenken“. Die Geschichte ist mehr als sechzig Jahre alt, und sie führt aus einem Berliner Archiv bis nach Palästina, wo eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen im September 2025 festgestellt hat, dass Israel in Gaza einen Völkermord begeht. Wieder mit deutscher Unterstützung. Wird Berlin dafür kritisiert, dass es Israels Kriegsverbrechen an den Palästinensern unterstützt, antwortet es fast immer mit denselben zwei Wörtern: „historische Verantwortung“. Doch gerade weil diese Verantwortung fehlte, konnte Westdeutschland nur zwanzig Jahre nach dem Holocaust Teil eines weiteren Völkermords werden.

Am 1. Oktober 1965 riss die indonesische Armee das Land an sich. In der Nacht des 30. September hatte eine Gruppe von Offizieren, die sich Bewegung 30. September nannte, unter Führung von Oberstleutnant Untung von der Präsidentengarde sechs Generäle des Armeeoberkommandos entführt und getötet. Binnen Stunden hatte Generalmajor Suharto, Befehlshaber der strategischen Reserve der Armee, Kostrad, die Bewegung niedergeschlagen; binnen Tagen gab die Armee der Kommunistischen Partei die Schuld an allem. Suharto (1921–2008) übernahm das Kommando, und der damalige Präsident, Sukarno (1901–1970), sah es nicht kommen. Sukarno behielt seinen Titel. Sonst behielt er nichts, und im März 1967 nahm man ihm auch diesen. Binnen Wochen begann die Armee, die Kommunistische Partei Indonesiens, die PKI, Provinz für Provinz zu verbieten; im März 1966 wurde sie im ganzen Land verboten. Sie war damals die drittgrößte kommunistische Partei der Welt. Jede Organisation, die mit ihr in Verbindung stand, wurde in der Folge verboten.

1965 hatte die PKI bis zu dreieinhalb Millionen Mitglieder, und über ihre Gewerkschaften, ihre Bauernfront, ihre Frauen- und ihre Jugendorganisationen erreichte sie etwa zwanzig Millionen weitere Menschen, jeden fünften Indonesier. Bei den Wahlen von 1955, den einzigen freien Wahlen, die das Land in mehr als vierzig Jahren erleben sollte, hatte sie 16 Prozent der Stimmen gewonnen. Ihre Bauernfront, die BTI, besetzte die Felder der Grundbesitzer, um eine Landreform zu erzwingen, die seit 1960 Gesetz war und kaum umgesetzt worden war. Die Partei wollte die ausländischen Ölkonzerne und Plantagen aus dem Land haben, und sie stellte sich gegen die Briten in Malaysia und gegen die Amerikaner in Vietnam. Das machte sie zum Feind, in Jakarta, in Washington und in Bonn.1

Was folgte, dauerte von Oktober 1965 bis in die frühen Siebzigerjahre. Funktionäre, Mitglieder und Sympathisanten kamen in die Lager, und aus den Lagern unter die Erde. Überlebende, die wir für unseren Dokumentarfilm vor der Kamera hatten, erzählten uns von Massengräbern, Enthauptungen und Flüssen voller Leichen. Sarwo Edhie (1925–1989), der die Fallschirmkommandotruppe RPKAD der Armee befehligte, bezifferte die Zahl der Hingerichteten später auf „zwei oder drei Millionen“.2 Das ist ein Völkermord, und er wurde an Kommunisten verübt. Außerhalb Indonesiens weiß kaum jemand, dass er stattgefunden hat.

Im Juli 2016 stellte das Internationale Volkstribunal zu 1965 in Den Haag, ein Tribunal aus Richtern und Juristen ohne Strafgewalt, fest, dass die Tötungen durch die Armee und die von ihr ausgebildeten und unterstützten Milizen Völkermord waren, die teilweise Vernichtung einer nationalen Gruppe, und es benannte die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Australien als mitschuldig. Vier Jahre zuvor hatte Indonesiens Nationale Menschenrechtskommission Verbrechen gegen die Menschlichkeit festgestellt und von einer staatlichen Politik gesprochen, die Mitglieder und Sympathisanten der PKI auszurotten. 2014 gefragt, ob die Massaker Verbrechen gegen die Menschlichkeit gewesen seien, erinnerte die Bundesregierung daran, dass dieser Tatbestand seit den Prozessen von Nürnberg und Tokio bekannt sei, und sah „keinen aktuellen Anlass“, seine Anwendbarkeit auf einen fast ein halbes Jahrhundert zurückliegenden Sachverhalt zu prüfen. 2023 gefragt, ob sie ein Völkermord gewesen seien, antwortete sie, es obliege nicht ihr, der Aufarbeitung durch Wissenschaft, Zivilgesellschaft, internationale Gremien und vor allem durch Indonesien selbst vorzugreifen.3

Das Material für diese Aufarbeitung liegt längst im eigenen Archiv der Bundesregierung. Dieser Artikel stützt sich auf die Akten selbst: Fernschreiben, Berichte, Vermerke und Protokolle aus dem Politischen Archiv des Auswärtigen Amts in Berlin, dazu Unterlagen aus dem Bundesarchiv in Koblenz und aus Washington. Sie zeigen, was Bonn über das Morden wusste, und wann. Und sie zeigen, was Bonn mit diesem Wissen anfing: Es begrüßte den Putsch, verbreitete die Propaganda der Armee, stellte der Seite der Armee Geld in Aussicht und gab Waffen für sie frei. Auch das Geld ist aktenkundig. Vor dem Putsch bürgte Bonn für Kredite, die nach den Worten seines Botschafters auch „die uns wohlgesinnten Kreise (wie z. B. die Armee u. a.)“ stärken würden; während die Partei zerschlagen wurde, leistete der BND nach der späteren Darstellung seines eigenen Chefs „Unterstützung (Berater, Geräte, Geld)“; als das Morden vorbei war, kamen Umschuldung, neue Kredite und Kapitalhilfe, bis 1969 in Höhe von 100 Millionen DM.

Kapitel 01

„Endlich!“ Wie Deutschland den Putsch begrüßte

Fernschreiben Nr. 429, 4. Okt. 1965. Neben die Unterschrift des Militärattachés schrieb ein Beamter in Bonn ein einziges Wort: „ENFIN!“ Endlich. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 169 A, Scan A-474. Markierung: hd

Im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts ist sogar eine der ersten Reaktionen Bonns auf den Putsch erhalten. Bonn war bis zur Wiedervereinigung 1990 die Hauptstadt Westdeutschlands; dann wurde Berlin wieder Hauptstadt. Am 4. Oktober 1965 schickte die Botschaft in Jakarta ein verschlüsseltes Fernschreiben mit dem Vermerk „citissime“ an das Auswärtige Amt, bestimmt für den Bundesminister der Verteidigung. Ein „linksorientierter umsturzversuch“ sei gescheitert, meldete es; Sukarno und General Nasution, der Koordinierende Minister für Verteidigung und Sicherheit, der den Entführern entkommen war, hätten mit Regierungstruppen die Lage im Griff; sechs Generäle seien von den Rebellen entführt worden, und nach einer noch unbestätigten Meldung sei General Pandjaitan bei seiner Gegenwehr erschossen, die übrigen danach ermordet worden. Unterzeichnet hatte der Militärattaché Meyer. Neben seinen Namen schrieb ein Beamter in Bonn von Hand ein einziges Wort, auf Französisch: „ENFIN!“ Zu Deutsch: endlich. Was da endlich gekommen war, war nicht der Tod von sechs Offizieren. Es war die Gelegenheit, gegen die Kommunisten vorzugehen, und der Mann in Bonn hatte darauf gewartet.4

Aus dem Nichts kam diese Reaktion nicht. Einen Probelauf hatte man Bonn schon Monate zuvor vorgeführt. Am 8. Januar 1965 schrieb Attaché Meyer an das Verteidigungsministerium in Bonn, im Ton eines Mannes, der Büroklatsch weitergibt, über Generalmajor Ibrahim Adjie, den Befehlshaber der Armee in Westjava. Vor einigen Wochen, notierte er, habe Adjie etwa 1.400 kommunistische Plantagenarbeiter „vorsorglich und probeweise festnehmen lassen“, um zu sehen, wie die Kommunistische Partei reagieren würde. Die Partei reagierte nicht. „Nach Gerüchten“, fuhr Meyer fort, hätten deshalb 400 von ihnen wieder freigelassen werden können. „Die übrigen wurden beerdigt.“5 Bonn nahm es zur Kenntnis und schwieg.

Zwei Monate später erfuhr Bonn, wofür man die Armee aufsparte. Am 8. März 1965 schickte Luitpold Werz, der Botschafter der Bundesrepublik in Jakarta, einen sechsseitigen Bericht über die Streitkräfte im innenpolitischen Machtkampf nach Bonn, und an seinem Ende steht ein Fazit: Armee und Marine seien intakt geblieben, „als Kräftereservoir für eine spätere offene Auseinandersetzung mit den Kommunisten“. Niemand in Bonn fragte, was eine solche Auseinandersetzung kosten würde. Der Bericht ging bis zum Minister. Der Staatssekretär, der höchste Beamte des Ministeriums unterhalb des Ministers, schrieb an den Rand: „Ein sehr instruktiver Bericht.“ Den Initialen nach zu urteilen, war es Karl Carstens, der als Student in der SA gedient hatte, der NSDAP beigetreten war und später Bundespräsident werden sollte. Werz sollte mitgeteilt werden, sein Bericht habe großes Interesse gefunden und werde als zutreffend angesehen.6

Im Sommer sagten es die Offiziere offen. Am 18. Juni 1965, dreieinhalb Monate vor dem Putsch, berichtete der deutsche Militärattaché in Jakarta, die PKI habe bisher „noch nicht den Fehler gemacht, ausserhalb der Legalität vorzugehen“, und hohe indonesische Offiziere hätten ihm oft gesagt, dass die Streitkräfte „nur auf diesen Augenblick warten, um zuschlagen zu können“.7

Als der Augenblick kam, war den Deutschen die Armee zu langsam. Am 5. Oktober beklagte der schriftliche Putschbericht der Botschaft, die Armee habe sich in den ersten Oktobertagen, „statt also die Gelegenheit zu einem vernichtenden Schlage gegen die Kommunisten auszunutzen“, für strikte Legalität entschieden; „es scheint, als habe die Armee ihre historische Stunde verpaßt“.8 Zwei Tage später, am 7. Oktober, klagte derselbe Attaché in einem Fernschreiben an das Verteidigungsministerium: Die Streitkräfte „haben bisher gelegenheit, gegen kpi loszuschlagen, nicht ausgenutzt“.9

Kapitel 02

Der Vorwand: was Bonn wusste und was es glauben wollte

Die gesamte Rechtfertigung der Vernichtung beruhte auf der Behauptung, die PKI habe den Putsch organisiert. In den ersten Wochen glauben die deutschen Akten das nicht, und sie halten es schriftlich fest. Dann, als das Morden bereits in vollem Gang ist, ändern sie ihre Meinung, und die Akte zeigt, was sie umgestimmt hat.

In ihrer Anfang Oktober 1965 verfassten Analyse des Putsches kam die Botschaft zu dem Schluss: „Man kann daher davon ausgehen, daß der Putsch von den Kommunisten inspiriert und unterstützt worden ist. Dirigiert jedoch haben sie ihn wohl nicht; dafür war seine Durchführung zu dilettantisch.“ Über Untung, den Offizier, der das Gesicht des Putsches war, heißt es im selben Bericht, es gebe keinen Hinweis darauf, dass er ein Anhänger der Kommunisten sei. Auf derselben Seite steht, was ein hoher indonesischer Offizier einem Mitarbeiter der Botschaft gesagt hatte: Man sei sich in der Armeeführung „völlig darüber im klaren“, dass es sich bei dem Putsch der Bewegung 30. September „in Wirklichkeit um eine Auseinandersetzung der Armee mit den Kommunisten handelt“.10 Einige Wochen später hielt die Botschaft fest, der „kommunistische Aufstand“ vom 1. Oktober sei von der Armee „knapp und relativ unblutig“ niedergeworfen worden.11 Das Blut floss erst danach, und es floss nicht im Kampf.

Auch wie der Vorwand funktionierte, hatte die Botschaft genau verstanden. Ihr zentraler Bericht vom 18. Oktober 1965 stellt fest, die Armeeführung habe Sukarnos Mandat, die Ordnung wiederherzustellen, „zu einer gründlichen Aktion ausgenutzt“, die darauf abziele, die Kommunisten Schritt für Schritt aus sämtlichen Positionen in Staat und Gesellschaft zu entfernen. Die Armee, so der Bericht weiter, interpretiere das Mandat „als den Auftrag, die umstürzlerische ‚Bewegung des 3o. September‘ (‚Gestapu‘) sowie deren Hintermänner und Sympathisierer zu liquidieren“. Dann benennt er die Methode in einem einzigen Satz: „Indem die Armee die PKI mit der Gestapu identifiziert, wahrt sie für ihr antikommunistisches Reformprogramm den Schein der Legalität.“12 Gestapu war das Kürzel, das die Propagandisten der Armee für die Bewegung 30. September erfunden hatten, gewählt, weil es nach Gestapo klang. Weiter hinten stellt derselbe Bericht fest, die verschärfte Verhaftungswelle habe „offensichtlich mit dem Putsch des 3o. September nichts mehr zu tun“ und ziele darauf ab, die Kader der kommunistischen Unterorganisationen zu zerschlagen.13 Eine Woche zuvor, am 11. Oktober, hatte die Botschaft bereits beschrieben, wie das gemacht wurde. Ohne formell mit Sukarno zu brechen, meldete sie, habe die Armee unter dem Schutz des von ihr selbst ausgerufenen Ausnahmezustands „eine Volksbewegung gegen die Kommunisten inszeniert“, während die von ihr beherrschten Medien dem Volk die Verbrechen der Kommunisten einhämmerten, den Mord an den Generälen „in allen schaurigen Einzelheiten“. Muslimische Flugblätter, hieß es weiter, „rufen zum djihad, dem Heiligen Krieg gegen die atheistischen Kommunisten auf“, und die Botschaft legte zwei davon bei. Das eine, am 8. Oktober in Jakarta verteilt, dem Tag, an dem junge Muslime das Hauptquartier der PKI niederbrannten, schließt seinen Forderungskatalog mit den Worten: „Helft den Streitkräften, die Vollstrecker der Bewegung 30. September restlos auszumerzen.“ Das andere übermittelt „Grüße des Heiligen Krieges“ und sagt: „Lasst uns gemeinsam die Atheisten bis auf ihre Wurzeln vernichten.“ Die deutsche Botschaft wusste also schon in der zweiten Woche, dass der „Volkszorn“ von der Armee organisiert wurde.14

Ebenso wenig konnte irgendjemand in Bonn behaupten, die PKI schlage zurück. Die Novemberbilanz der Botschaft zum Putsch vermerkt die Zurückhaltung der Kommunisten nach dem gescheiterten Umsturz und urteilt, man könne „wohl davon ausgehen, daß die planmäßige Dezimierung der kommunistischen Spitzenkader durch die Armee z.Zt. die Koordinierung kommunistischer Aktionen auf weiterer Ebene ausschließt“.15 Die Opfer leisteten keinen Widerstand; sie wurden nach Plan dezimiert. Die Bundesregierung wusste, dass der Putsch der Vorwand war, dass das Töten ganz überwiegend von einer Seite ausging und dass die Partei, die vernichtet wurde, weitgehend wehrlos war. Sie unterstützte die Vernichtung trotzdem.

Dann änderte die Botschaft ihre Meinung, und zwar in genau dem Bericht, der die Dezimierung festhielt. Am 15. November 1965 überschrieb sie ihre Zusammenfassung mit „Kommunistischer Staatsstreichversuch in Indonesien“ und nahm ihre Lesart vom Oktober ausdrücklich zurück: „Untungs rascher Mißerfolg schien für einen dilettantisch geführten Militärcoup zu sprechen und eine aktive Steuerung durch die Kommunisten auszuschließen.“ Nun aber zeichneten sich „nach Bekanntwerden erbeuteter kommunistischer Dokumente und von Aussagen militärischer Putschführer“ die „Umrisse eines gigantischen kommunistischen Staatsstreichunternehmens“ ab. Die Aussagen stammten aus den Verhörräumen der Armee. Die Botschaft legte einen Auszug aus dem Vernehmungsprotokoll Untungs bei, der ihr „aus besonderer Quelle“ zugegangen war. Der Vernehmer hält ihm vor, es müsse jemand dahintergestanden haben: „Wer dirigierte das Unternehmen aus dem Hintergrund?“ Untung: „Hinter mir stand die PKI.“ Eine Frage, schrieb die Botschaft, bleibe nach wie vor unbeantwortet: „wieso der kommunistische Aufstand trotz sorgfältiger Vorbereitung von langer Hand so eklatant mißlingen konnte“. Am 6. Dezember tat sie den letzten Schritt. Als sie das übersetzte Protokoll der Vernehmung des Politbüromitglieds Njono weiterleitete, das ihr ebenfalls „aus besonderer Quelle“ zugegangen war, schrieb sie: „Aus dem Protokoll lassen sich folgende Schlüsse ziehen: 1. Die PKI-Führung plante und organisierte den Umsturzversuch der ‚Bewegung des 3o. September‘.“ Neun Wochen nach dem Putsch hatte sich die Botschaft die Version der Armee zu eigen gemacht. Viel hatte es dafür nicht gebraucht. Das Njono-Protokoll besiegelte es: ein Geständnis, das die Männer, die mordeten, einem ihrer Gefangenen abgenommen hatten. Im Protokoll wird Njono gefragt, ob er unter irgendeinem Zwang oder Druck stehe; er verneint. In solchen Protokollen ist das die Regel.16

Kapitel 03

„Eine ganz in unserem Sinne liegende Bereinigung“

Was die deutsche Botschaft in diesen Wochen tat, ist in den Akten Bonns wie Washingtons dokumentiert. Botschafter Werz selbst war nicht da. Ab dem 6. Oktober hielt er sich in Hongkong auf und kehrte erst am 14. Oktober nach Jakarta zurück; neben das Fernschreiben, das seine Ankunft ankündigte, schrieb ein Beamter in Bonn: „Es war an der Zeit!“ Am 12. Oktober 1965 meldete der amerikanische Botschafter in Jakarta, Marshall Green, in einem als geheim eingestuften Telegramm an US-Außenminister Dean Rusk, ein Angehöriger der deutschen Botschaft habe weitergegeben: Die „Indo-Armee erwägt jetzt Möglichkeit, Sukarno selbst zu stürzen, und geht auf mehrere westliche Botschaften zu, um sie wissen zu lassen, dass ein solcher Schritt möglich ist“.17 Die deutsche Botschaft gehörte zu den westlichen Vertretungen, die die indonesische Armee auf dem Laufenden hielt, während sie die Absetzung des Präsidenten erwog. Das Dokument liegt nicht in den deutschen Akten. Es liegt in den amerikanischen, seit 2017 freigegeben.

Fünf Tage nach seiner Rückkehr beschrieb Werz in zwei als geheim eingestuften Telegrammen die Maschinerie, die er in vollem Gang vorgefunden hatte. Die Armee fahre „entschlossen mit ihrem programm der schrittweisen unterdrueckung der pki fort“. Nach der Herstellung einer „von kommunisten gesaeuberten zentralgewalt“ wolle sie „offenbar an die saeuberung der einzelnen provinzen gehen“, und noch sei nicht abzusehen, wie die Kommunisten „die ins rollen gekommene militaerwalze“ aufhalten könnten. Und Bonn? Werz’ Rat passt in eine Zeile: sich vorerst zurückhalten und abwarten, was kommt, „um die position unserer freunde in der armee nicht zu erschweren“.18 Unsere Freunde in der Armee. So sprach der Botschafter der Bundesrepublik von den Männern, die die Vernichtung betrieben.

Am 25. Oktober brachte er es noch einmal zu Papier, diesmal in einem persönlichen Brief an den Leiter der Politischen Abteilung in Bonn. Überall herrsche Angst, schrieb er, und dann: „Immerhin hoffe ich, dass die Armee, die trotz der gegenteiligen Weisung des Präsidenten systematisch mit den Kommunisten aufräumt, sich durchsetzen wird, und dass damit für uns bessere Zeiten anbrechen.“19

Am 26. Oktober 1965, am selben Tag, an dem das Indonesienreferat des Auswärtigen Amts empfahl, die Ausfuhr von Pistolengriffen an die indonesische Armee zu genehmigen, schrieb Alexander Böker, Ministerialdirigent in der politischen Abteilung des Auswärtigen Amts, an Werz:

„Wir verfolgen die dortige Entwicklung selbstverständlich mit größtem Interesse und freuen uns über die Fortschritte in der Festigung des Armee-Regimes. Wir sind uns völlig darüber klar, welch große Chancen für die westliche Welt insgesamt und für Deutschland im besonderen in dieser Entwicklung liegen und welch großen Gefahren wir ausgesetzt wären, wenn das Experiment scheitern sollte.“20

Das „Experiment“ war in diesem Augenblick der Massenmord an Kommunisten. Werz antwortete am 8. November 1965 mit einem Brief, der den Vermerk „Persönlich und Vertraulich“ trägt. Was ihn beunruhige, schrieb er, sei, dass man in Deutschland die indonesischen Dinge offenbar ganz ruhen lassen wolle: Hermes-Bürgschaften für kleinere Beträge, die staatliche Absicherung von Exportkrediten, seien gestoppt worden und würden vorerst nicht bearbeitet, und die Reise eines Vertreters des Goethe-Instituts, des westdeutschen Kulturinstituts im Ausland, sei gegen seine eigene Empfehlung abgesagt worden. Dann:

„Es wäre sehr bedauerlich, wenn gerade in dem Zeitpunkt, in dem sich hier eine ganz in unserem Sinne liegende Bereinigung vollzieht, bei den heute weitgehend massgeblichen Armeekreisen der Eindruck entstünde, als ob wir Indonesien abgeschrieben hätten.“21

„Bereinigung“ schreibt ein deutscher Beamter, wenn ein Konto ausgeglichen oder eine Unstimmigkeit ausgeräumt wird. Es ist das Vokabular der Buchhaltung. Werz verwendete es für die Säuberung, die im Land im Gange war, und er verwendete es als Argument: Bonn solle die kleinen Hermes-Bürgschaften jetzt nicht länger ausgesetzt lassen.

Bei Zehntausenden Toten, bald Hunderttausenden, plädierte der Botschafter der Bundesrepublik im selben Brief für „business as usual“. Jede größere Aktion oder ein neuer Rahmenkredit, räumte er ein, solle erst stattfinden, wenn die Lage sich weiter geklärt habe und die Indonesier darum bäten. Drei Wochen später, im Fernschreiben Nr. 593 vom 29. November 1965, meldete Werz, nach Westjava hätten nun auch die Militärgouverneure von Süd- und Südostcelebes (Sulawesi) und der Molukken die endgültige Auflösung der PKI verfügt, und er schob ein Kalkül nach: „moeglicherweise ist dieses vorgehen sukarno im augenblick gar nicht unlieb, da es ihn der versprochenen unangenehmen ‚politischen endloesung‘ enthebt und er sich spaeter von diesen militaermassnahmen distanzieren kann“.22

Der Ausdruck in Anführungszeichen ist keine Prägung von Werz. So gab die Botschaft auf Deutsch die politische Regelung der Affäre des 30. September wieder, die Sukarno versprochen hatte, und diese Regelung bedeutete die Beseitigung einer politischen Partei. Mehr als zwanzig Jahre nachdem das Wort im Deutschen die Bedeutung angenommen hatte, die es trägt, verwendeten die Diplomaten der Bundesrepublik binnen sechs Wochen dreimal „Endlösung“, am 15. November, am 29. November und am 23. Dezember, jedes Mal unter Werz’ Namen, in Anführungszeichen und ohne ein Wort des Kommentars.

Kapitel 04

Propaganda made in Germany

Die Bundesrepublik beschränkte sich nicht aufs Zuschauen. Am 15. Oktober 1965, zwei Wochen nach dem Putsch, hielt Hilmar Bassler, Vortragender Legationsrat I. Klasse im Auswärtigen Amt und Leiter des für Indonesien zuständigen Referats, in einem als VS-Vertraulich eingestuften Vermerk fest, dass zwei staatliche Medienanstalten gebeten worden waren, sich an der Kampagne zu beteiligen:

„Das BPA und die Deutsche Welle sind gleich nach Ausbruch der Revolte gebeten worden, die kommunistische Taktik und die bestialische Ermordung der indonesischen Generäle als Beweis für das kommunistische Vorgehen bei der Eroberung der Macht besonders herauszustellen.“23

Das BPA ist das Bundespresseamt, das direkt dem Bundeskanzler untersteht. Die Deutsche Welle ist der staatliche Auslandssender der Bundesrepublik, und sie sendete nach Indonesien. Beide wurden wenige Tage nach dem Putsch „gebeten“, die Geschichte von der Schuld der Kommunisten in die Welt zu tragen. Selbst das genügte Bassler nicht. „M.E. ist das Vorgehen der Kommunisten in der deutschen Presse nicht genügend beachtet worden“, heißt es weiter in seinem Vermerk. „Insbesondere sollten auch große Zeitungen wie die ‚Züricher‘ angeregt werden, sich mit diesem Thema zu beschäftigen.“ Mit der „Züricher“ ist vermutlich die Neue Zürcher Zeitung gemeint.

Über den Fernschreibkanal der Botschaft erhielt Bonn die Berichte des Korrespondenten der dpa, der wichtigsten westdeutschen Nachrichtenagentur, über die Propaganda der Armee: einen Fernsehfilm über „die bergung der graesslich verstuemmelten leichen der armeegeneraele“, der mehrfach ausgestrahlt wurde, und die Meldung, an der Ermordung von Frau und Kindern eines regierungstreuen Regimentskommandeurs seien die kommunistische Jugendorganisation Pemuda Rakjat und die Frauenorganisation Gerwani anscheinend „beteiligt gewesen“.24 Die Gräuelgeschichten befeuerten die Pogrome. Basslers Vermerk hält fest, dass BPA und Deutsche Welle gebeten worden waren, genau diese Erzählung zu verbreiten, die PKI als bestialische Mörderin der Generäle, obwohl die eigene Botschaft des Auswärtigen Amts geschrieben hatte, die PKI habe den Putsch zwar inspiriert und unterstützt, aber wohl nicht dirigiert. Als das Morden seinen Höhepunkt erreichte, hatte Bonn seine Staatsmedien bereits gebeten, die Version der Armee zu verbreiten.

Selbst der Kanal war kein Zufall. Das dpa-Büro in Jakarta war „auf den ausdrücklichen und dringenden Wunsch des Auswärtigen Amts“ eröffnet worden, vermerkte das Pressereferat des Amts am 6. Oktober 1965, um den ostdeutschen und den kommunistischen Nachrichtenagenturen etwas entgegenzusetzen.25 Und die Botschaft wusste, was für einer Geschichte sie da nachhalf. Am 22. November schrieb sie nach Bonn, die „von der Armee propagandistisch geschickt hochgespielte Ermordung der sechs Generäle“ habe das Volk gegen die Kommunisten aufgebracht und Armee und Muslime in einer Front geeint, und darin liege „eine ungeheure Chance für die Armee“.26 Fünf Wochen später, am 30. Dezember, schickte Werz ein Fernschreiben, das auch an das Bundespresseamt gerichtet war. Die Armeezeitung Harian Angkatan Bersendjata hatte um Material über ein neues deutsches Buch über Sukarno gebeten, und er schlug vor, der „Dienst aus Deutschland“ solle der Botschaft möglichst bald ein Exklusiv-Feature mit Fotos schicken.27 Bonn wiederholte nicht nur die Propaganda der Armee. Es bot der Zeitung der Armee eigene Texte an.

Kapitel 05

„Aktionsprogramm Indonesien“: gegen den Kommunismus, für die Armee

Die Linie, der Bonn im Herbst 1965 folgte, war ein Jahr zuvor festgelegt worden. Nichts von dem, was folgt, war bloßes Geschäft. Zwanzig Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg verfolgten Kredite und Waffen einen politischen Zweck, und das Auswärtige Amt schrieb diesen Zweck nieder. Am 22. Dezember 1964 leitete Alexander Böker, Ministerialdirigent in der politischen Abteilung des Auswärtigen Amts, in Bonn eine Hausbesprechung unter der Überschrift „Aktionsprogramm Indonesien“, an der Botschafter Werz und zehn Referate teilnahmen. Das am 7. Januar 1965 niedergeschriebene Protokoll gibt seine Argumentation in indirekter Rede wieder. Indonesien, sagte er, gelte als Barriere oder Sprungbrett des Kommunismus auf dem Weg nach Australien. Das nationale Interesse daran, dort eine deutsche Präsenz aufrechtzuerhalten, erfordere Opfer finanzieller Art, denen allerdings Grenzen gesetzt seien. Indonesien sei ein entscheidender Testfall. In derselben Sitzung berichtete Werz, was er dem indonesischen stellvertretenden Außenminister für den Fall angekündigt hatte, dass das Generalkonsulat der DDR zur Botschaft aufgewertet würde: den Abbruch der diplomatischen Beziehungen und das Ende der Wirtschaftshilfe.28 Das war die Hallstein-Doktrin: Ab 1955 drohte Bonn jedem Staat, der die Deutsche Demokratische Republik (DDR) anerkannte, mit dem Abbruch der Beziehungen, und mit Jugoslawien hatte es das 1957 getan, mit Kuba 1963. Warum das so viel Gewicht hatte, erklärt der Historiker Baskara T. Wardaya von der Sanata-Dharma-Universität in Yogyakarta mit wenigen Worten: „Wenn man sich an die Geschichte erinnert: Es gab zwei Deutschlands, Westdeutschland und Ostdeutschland. Westdeutschland war sehr kapitalistisch und proamerikanisch. Deshalb mochten sie Sukarno nicht, und sie mochten die PKI nicht.“29

Noch offener ist das Protokoll dort, wo es festhält, wer was gesagt hat. Von Böker gefragt, ob umfangreiche Hilfe Sukarno davon abhalten werde, die DDR anzuerkennen, antwortete Werz, Sukarnos Autorität habe vorerst Bestand, und fügte hinzu: „Wenn wir weiterhelfen, stärken wir überdies die uns wohlgesinnten Kreise (wie z. B. die Armee u. a.)“. Bassler bemerkte, man müsse „die Durststrecke bis zu einem neuen Regime in Indonesien nach Sukarnos Ableben“ überstehen.30 In der zweiten Sitzung am 11. Januar 1965 gab Böker die Linie für alles Weitere vor: Die deutsche Politik sei „auf die Endphase des Sukarno-Regimes auszurichten“, und Werz und das Indonesienreferat waren sich einig, dass diese Phase begonnen habe.31 Neun Monate vor dem Putsch hatte Bonn also auf die Armee gesetzt und gab sich damit zufrieden, auf Sukarnos Sturz zu warten.

Zwei Jahre später räumte das Auswärtige Amt das ein, in einer Aufzeichnung, die das Haus nie verlassen sollte. Im Februar 1967 druckte die indische Zeitschrift Link, was sie als Geheimbericht der deutschen Botschaft ausgab. Das Auswärtige Amt hielt den Bericht für eine Fälschung und räumte in derselben Aufzeichnung ein, er beschreibe „genau unsere damalige Haltung“: Botschaft und Auswärtiges Amt hatten tatsächlich „im Hinblick auf die zuende gehende Ära Sukarno“ Pläne für weitere Hilfe zurückgestellt. Böker riet von einem Dementi ab. Ein Dementi würde sofort gegen Bonn gewendet werden, denn solange Sukarno formell noch Staatsoberhaupt sei, könne Bonn nicht erklären, es habe seine Hilfe mit Blick auf sein „zuende gehendes Regime“ zurückgehalten.32

Kapitel 06

Die Kommunisten vernichten: ein Argument für Unterstützung

Die Akten im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts zeigen, dass Bonn von der ersten Woche an im Bilde war und dass seine Politik im Gleichschritt mit der Washingtons verlief.33 Im Auswärtigen Amt in Bonn wusste man, dass „die indonesischen Streitkräfte die kommunistische Partei systematisch vernichten“, wie Vortragender Legationsrat I. Klasse Hilmar Bassler am 3. Dezember 1965 festhielt. Er schrieb das nicht als Protest nieder, sondern als Argument dafür, drei Zollboote an das Regime zu exportieren. Weil die Streitkräfte die Partei „systematisch vernichten“ und bereits Fühler nach Malaysia ausgestreckt hätten, sei „im Zuge der politischen Veränderungen in Indonesien“ mit einem Abklingen der Spannung zwischen Indonesien und Malaysia zu rechnen. Die Boote, fügte er hinzu, seien unbewaffnet und zur Bekämpfung des Schmuggels bestimmt. Sein Referat hatte das Geschäft schon am 30. September, dem Tag vor dem Putsch, für rechtlich zulässig und „politisch gegenüber Grossbritannien vertretbar“ befunden. Was das Morden hinzufügte, war das politische Argument, und er schloss: „[…] sollte daher dem Geschäftsabschluss zugestimmt werden.“34 Sieben Monate zuvor hatte man genau diese Boote aus dem Hilfspaket herausgehalten. Bei einer Ressortbesprechung am 13. Mai 1965 waren sich alle Seiten einig gewesen, sie „wegen der Möglichkeit einer militärischen Verwendung“ nicht aufzunehmen; außerdem hätten sie das Paket weit über seine Grenze von 100 Millionen DM hinausgetrieben.35 An den Booten hatte sich bis Dezember nichts geändert. Geändert hatte sich, dass die Armee jetzt Kommunisten tötete.

Die finanzielle Unterstützung begann schon vor dem Putsch. Am 14. Januar 1965 schrieb Außenminister Gerhard Schröder, der Christdemokrat, nicht der spätere sozialdemokratische Kanzler, an Bundeswirtschaftsminister Kurt Schmücker, um für Indonesien einen Sonderplafond von 100 Millionen DM für Ausfuhrbürgschaften des Bundes durchzusetzen. Er tat es mit einem Vorschlag, „der auf rein politischen Erwägungen fusst“, und wischte alle wirtschaftlichen Bedenken beiseite: Die Fortführung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit sei, schrieb er, „das einzige uns vielleicht noch zur Verfügung stehende Mittel“, um Sukarno in der Deutschlandfrage zurückzuhalten, vor allem von der Anerkennung der DDR.36

Ein interner Vermerk des Wirtschaftsministeriums vom 17. März 1965 erinnert daran, dass das Kabinett den Plafond acht Wochen zuvor „unter der Drohung, ein sowjetzonales Generalkonsulat zuzulassen“, gebilligt hatte. „Sowjetzone“ nannte Bonn die DDR, die es nicht als Staat anerkannte. Im Dezember 1964 stand Bonn mit Bürgschaften von rund 500 Millionen DM für Indonesien im Obligo, und das Land gab 40 bis 45 Prozent seines Haushalts für die Verteidigung aus. Das Wirtschaftsministerium zog seinen Schluss: „Aus wirtschaftlichen Gründen ist eine weitere finanzielle Hilfeleistung gegenüber Indonesien nicht zu vertreten.“ Das Auswärtige Amt befürwortete die nächste Bürgschaft trotzdem.37

Kaum war der Putsch vorbei, wurde der finanzielle Hebel bei den neuen Herren angesetzt. Im November bereitete das Auswärtige Amt eine Unterlage für das Gespräch des Ministers mit Achmad Sukendro vor, einem Brigadegeneral und Staatsminister, den man im Amt für einen der schärfsten politischen Köpfe der Armee hielt. Unter „Die jüngste politische Entwicklung in Indonesien“ beginnt das Papier mit einer einzigen Zeile: „Die Armee hat die kommunistische Partei in den letzten Wochen weitgehend zerschlagen.“ Das Auswärtige Amt wollte auf eine Erhöhung der Ausfuhrbürgschaften des Bundes für Indonesien drängen, „sobald sich eine Normalisierung der Verhältnisse in Indonesien abzeichnet“.

Dann gibt das Papier dem Minister vor, was er sagen soll: dass die Bundesregierung die Entwicklung in Indonesien in den letzten Wochen mit größter Aufmerksamkeit verfolgt habe und „sie hoffe, daß es den Streitkräften gelingt, mit ihren tatkräftigen Maßnahmen gegen die Putschisten des 30. September Ruhe und Ordnung im ganzen Land wiederherzustellen“.38 Die tatkräftigen Maßnahmen waren jene, die dasselbe Ministerium Woche für Woche in seinen Akten festhielt. Staatssekretär Karl Carstens empfing Sukendro am 26. November 1965 und berichtete am Tag darauf in einem als Verschlusssache eingestuften Fernschreiben nach Jakarta darüber. Dann kam der Satz, auf den es ankommt: „Wir würden dennoch das in unseren Kräften Stehende tun, um Indonesien angesichts der gegenwärtigen Richtung seiner politischen Entwicklung zu unterstützen.“ Sukendro seinerseits erklärte, der Armeeführung seien schon Anfang September Pläne für die Ermordung von acht Generälen bekannt geworden, man habe diese Informationen aber als Provokation betrachtet und nicht ernst genommen. Der tragische Tod der sechs Generäle, seiner engen Freunde, habe den nichtkommunistischen Kräften „die Gelegenheit zum Handeln gegeben“.39 Welche „gegenwärtige Richtung“ die indonesische Politik im November 1965 hatte, weiß der Leser bereits. Im Mai 1968 folgte ein „Abkommen über Kapitalhilfe“.40

Bonns Geld ging vor, während und nach dem Morden an die Seite der Armee, jeweils in anderer Form. Vor dem Putsch kam es als Kreditbürgschaften und Darlehen, die nach Werz’ Worten auch „die uns wohlgesinnten Kreise (wie z. B. die Armee u. a.)“ stärken würden. Während des Mordens machte Bonn keine neuen Zusagen über öffentliche Gelder; stattdessen knüpfte es solche Zusagen an den Erfolg des Mordens. Am 8. November meldete Werz, kleine Hermes-Bürgschaften seien vorerst ausgesetzt. Am 10. Dezember berichtete Werz, ein hochrangiger indonesischer Beamter habe ihn „im Auftrag des Heeres“ um finanzielle Hilfe gebeten. Werz wollte zuerst wissen, „wohin Indonesien gehe“. Als man ihm versicherte, der „anti-kommunistische Kurs werde konsequent fortgesetzt“, sagte er zu, „trotz bestehender Etatschwierigkeiten die indonesischen Wünsche mit freundlichem Wohlwollen zu behandeln“. Sechs Tage später kabelte Washington, „Japan und Deutschland sind am besten in der Lage, frühzeitig Hilfe anzubieten“, und fragte seinen Botschafter, ob er, sein japanischer Kollege und Werz sich informell treffen könnten, „um Taktik und Strategie abzustimmen“. Der Geheimdienst ging weiter. Am 8. November 1965 verzeichnet eine BND-Akte die „dringende Bitte“ der Generäle um 1,2 Millionen DM in bar, „Geldmittel, die – aus naheliegenden Gründen – nicht der indonesischen Staatskasse entnommen werden können“, hauptsächlich für „Sonderaktionen gegen KP-Funktionäre“ und zur Durchführung von „gesteuerten Demonstrationen“. Eine solche Hilfe, hielt der BND fest, könne bei Bekanntwerden für Geldgeber wie Empfänger „kaum übersehbare Folgen“ haben. Auf dem Dokument steht der handschriftliche Vermerk „Abgelehnt Nichteinmischung“; ob überhaupt Geld gezahlt wurde, ist nicht bekannt. 1968 schrieb der neue BND-Chef Gerhard Wessel im Entwurf für einen Vortrag vor dem Vertrauensgremium des Bundestags, der Dienst habe dem indonesischen Nachrichtendienst und den Sondereinheiten der Armee „Unterstützung (Berater, Geräte, Geld)“ geleistet, als es um die „Zerschlagung der KPI“ ging, und nach Ansicht von Suharto, Nasution und dem Sultan komme dem BND ein „großer Anteil“ am Erfolg zu. Drei Jahre später berichtete Der Spiegel, der BND habe Indonesiens militärischen Nachrichtendienst 1965 „mit Maschinenpistolen, Funkgeräten und Geld (Gesamtwert: 300 000 Mark)“ versorgt, und ein Kommando von BND-Männern habe indonesische Nachrichtenoffiziere in Indonesien selbst ausgebildet. Keine bisher freigegebene Akte bestätigt die Einzelheiten der einen oder der anderen Meldung. Als das Morden vorbei war, floss das Geld offen: 1966 Umschuldung und ein Kredit über 50 Millionen DM, ein Kapitalhilfeabkommen über 75 Millionen DM im Mai 1968, 100 Millionen DM Kapitalhilfe bis 1969 und, in den Worten des Auswärtigen Amts, „alles Interesse, die derzeitige indonesische Regierung zu stützen“.41

Kapitel 07

Der deutsche Staat als Waffenhändler

Die Rüstungsakten zeigen, dass die Bundesrepublik den Lieferanten der Mörder nicht bloß die Genehmigungen erteilte. Über ein Unternehmen in ihrem Besitz war sie selbst einer der Lieferanten.

In einem Vermerk vom 27. Januar 1965 über ein Gespräch mit Indonesiens Drittem Stellvertretenden Ministerpräsidenten Chairul Saleh rühmt sich ein deutscher Beamter, die Hilfeleistung der Bundesrepublik sei „nicht auf den rein wirtschaftlichen Sektor beschränkt. Beispielsweise habe die bundeseigene Firma Fritz Werner, Berlin, Lieferverträge für Indonesiens Rüstungs- und Munitionsfabriken in den letzten Jahren über rd. 63 Millionen DM abgeschlossen.“42 Einen Teil des Waffengeschäfts mit Jakarta betrieb der deutsche Staat selbst.

Am 26. November 1965, mitten in den Massakern, vermerkte das Auswärtige Amt, beim Vorstandsvorsitzenden von Fritz Werner sei gerade ein Sonderbeauftragter General Nasutions vorstellig geworden, um mitzuteilen, dass der General weiterhin an der Sprengstofffabrik interessiert sei, Auftragswert 80 Millionen DM; die Anlage, fügt der Vermerk hinzu, sei für den militärischen wie für den zivilen Bedarf bestimmt. Westliche Unterstützung in dieser Form, ließ Nasution durch seinen Sonderbeauftragten hinzufügen, sei für die Armeeführung besonders nützlich und unentbehrlich, wenn sie vom Ostblock unabhängig werden wolle; auch eine tschechische Firma bemühe sich um den Auftrag.43 Bis März 1968 hatte dieselbe Firma mit der indonesischen Regierung, vertreten durch den „Minister Commander in Chief of the Indonesian Army“, einen Vertrag über die Lieferung von Ersatzteilen und Waffen unterzeichnet, darunter 250 Schnellfeuergewehre BM 59, 9.750 Verschlüsse und 5.000 Läufe. Herstellen und verschiffen sollte die Waffen Pietro Beretta im italienischen Brescia, „in unserem Auftrag“, und zwar von Brescia über Hamburg nach Jakarta.44

Die Sorge, die deutsche Herkunft dieser Waren zu verbergen, zieht sich von 1965 bis 1968 durch die Akte. Am 26. Oktober 1965, als das Massaker in vollem Gang war, ließ das Indonesienreferat des Auswärtigen Amts seine Einwände gegen die „Ausfuhr von Pistolengriffen“ fallen und bat das Genehmigungsreferat, sie zu genehmigen. Zwei Gründe werden genannt. Der Auftrag sei gering. Und: „Es wäre nicht zu vertreten, wenn wir der indonesischen Armee, die zur Zeit gegen die kommunistische Partei mit Waffengewalt vorgeht, diese indirekte Hilfe verweigern würden.“ Dann folgt die Anweisung: Es solle darauf geachtet werden, „daß die Pistolengriffe kein Kennzeichen als deutsches Produkt erhalten“.45 Zwei Wochen später, am 11. November, argumentierte Basslers Referat bei Schwimmwesten für Armee und Marine genauso. Gerade jetzt, schrieb es, sollten Anträge wie dieser, aus denen man Bonn keinen Vorwurf machen könne, genutzt werden, „um unsere Aufgeschlossenheit gegenüber der indonesischen Armee und Marine zu bekunden“.46 Im November 1968 stimmte das Auswärtige Amt einem Antrag der Industriewerke Karlsruhe AG zu, 20.000.000 Patronen Kaliber 7,62 mm an die indonesische Armee auszuführen, ausdrücklich „ohne NATO-Markierung“.47

Kapitel 08

Das Morden als Verkaufsargument

Noch vor Weihnachten stand das Argument. Am 20. Dezember 1965 legte Dr. Fröwis aus Basslers Referat diesem einen Vermerk über „Waffenlieferungen nach Indonesien“ vor. Die Bundesregierung, hieß es darin, befinde sich in der außerordentlich schwierigen Lage, die indonesischen Streitkräfte, „die die kommunistische Partei weitgehend zerschlagen haben“ und im Begriff seien, dem Land eine neue politische Richtung zu geben, nicht einmal indirekt, durch Ausfuhrgenehmigungen für Waffen und militärische Ausrüstung, unterstützen zu können. Halte der Westen an seinem faktischen Embargo fest, bleibe der Armee kein anderer Ausweg, als sich an Moskau zu wenden. Das Verbot, so hatte Fröwis bereits einem Mitarbeiter der britischen Botschaft erklärt, müsse wegen des Umsturzes in Indonesien unter Umständen in absehbarer Zeit überprüft werden.48 Die Zerschlagung der Partei war kein Grund, sich zurückzuhalten. Sie war der Grund zu liefern.

Ein Dokument sagt unverblümt, warum das Geschäft nun zustande kommen sollte. Am 28. Januar 1966 verfasste der Leiter der Abteilung III des Auswärtigen Amts eine Aufzeichnung über die Ausfuhr von Sprengstoffanlagen nach Indonesien. Der Industriekonzern Ferrostaal hatte schon im Juni 1965, fast vier Monate vor dem Putsch, angefragt, ob er mit einer Ausfuhrgenehmigung für 15 komplette „Anlagen zur Herstellung von Sprengstoffen“ rechnen könne, mit einer „Monatskapazität von fast 2000 Tonnen Sprengstoffen, Pulver und Zwischenprodukten, 1100 km Zündschnur und 1,1 Mio Sprengkapseln“. Das Werk veranschlagte den Preis der Anlage auf rund 40 Millionen DM. „Auftraggeber ist die indonesische Armee“, heißt es in der Aufzeichnung.

Dann kommt das erste Argument für eine Genehmigung, und es ist das Morden: Weil die Armee „sich in Indonesien weitgehend gegen die Kommunisten durchgesetzt hat“, könne damit gerechnet werden, dass einige der bisherigen außenpolitischen Ziele der dortigen Regierung nicht mehr mit demselben Nachdruck verfolgt würden. Gegenstand dieser Ziele war die Konfrontation mit Malaysia, die Konfrontasi, Sukarnos unerklärter Krieg gegen die Gründung der Föderation Malaysia von 1963 bis 1966. Sie war das Haupthindernis dafür, dass die indonesische Armee deutschen Sprengstoff verwenden konnte; solange Großbritannien bereitstand, Malaysia zu verteidigen, wollte Bonn nicht als Ausrüster der Gegenseite dastehen. Doch die Vernichtung der Kommunistischen Partei entschärfte dieses Hindernis, und ein deutscher Beamter notierte es als Grund für einen Verkauf. Der Konflikt, räumte die Aufzeichnung ein, sei noch nicht beigelegt; da sich die Ausführung des Auftrags aber über mindestens zwei bis drei Jahre erstrecken dürfte, solle der Konflikt kein Anlass sein, „unsere Interessen, die für die Durchführung der Lieferung sprechen, zu opfern“.

Der Rest der Aufzeichnung ergibt sich daraus. Die Aufträge der indonesischen Armee abzulehnen, würde bedeuten, „daß wir die Kräfte, die wir stützen wollen, schwächen und damit den noch vorhandenen kommunistischen Elementen indirekt in die Hände arbeiten“. Und ihren Wünschen zu entsprechen, „würde unsere Position gerade bei den politisch entscheidenden Rechtskreisen wesentlich stärken“.49 Ob die Anlagen je geliefert wurden, geht aus den Akten nicht hervor. Am 22. Februar 1966 schrieb Basslers Referat mit Blick auf die neuerliche innenpolitische Entwicklung in Indonesien und auf einen Malaysia-Konflikt, mit dessen baldiger Beendigung noch nicht gerechnet werden könne, Ausfuhrgenehmigungen würden „zur Zeit noch nicht erteilt werden“, und schlug vor, die Sache in etwa zwei Monaten wieder aufzugreifen.50 Dann verstummt die Akte. Was bleibt, ist das Argument, und das Argument war das Morden.

Von hier an wird die Akte zur Liste. Am 1. Februar 1966 bat Rheinstahl Hanomag das Verteidigungsministerium um die Erlaubnis, in Indonesien für Panzerfahrzeuge zu werben, „in erster Linie“ für den Kanonenjagdpanzer. Das Auswärtige Amt brauchte bis zum 8. Juli 1966, um seine Einwände fallen zu lassen. Dann erklärte es, die Verhältnisse zwischen Indonesien und Malaysia hätten sich so weit beruhigt, dass es „keine Bedenken mehr“ habe, wies aber darauf hin, daraus lasse sich kein Anspruch auf eine spätere Verkaufsgenehmigung ableiten.51 Wenige Tage zuvor, am 30. Juni, hatte das Wirtschaftsministerium den Antrag von Fritz Werner weitergeleitet, beim Sprengstoffhersteller Dynamit Nobel 255.800 Kilogramm Nitroglycerinpulver zum Versand nach Indonesien zu kaufen. Basslers Referat empfahl am 4. Juli die Genehmigung, weil der Konflikt mit Malaysia friedlich beigelegt sei, weil in Indonesien nun eine Regierung an die Macht gekommen sei, „die mit der freien Welt zusammenzuarbeiten bereit ist“, weil eine Ablehnung die deutsch-indonesischen Beziehungen belasten und „praktisch nur die subversiven Kräfte begünstigen“ würde und weil die früher gute Zusammenarbeit zwischen Fritz Werner und der indonesischen Armee möglichst bald wiederhergestellt werden solle. Die Antwort, datiert vom 7. Juli, ging am nächsten Tag hinaus: „keine Bedenken“.52 Am 1. April 1968 teilte die Genehmigungsbehörde dem Auswärtigen Amt mit, Fritz Werner habe die Ausfuhr von 42.000 verschiedenen Einzelteilen für das Gewehr BM 59 im Wert von 3.791.730 DM beantragt, Käufer und Endempfänger: der Minister Commander in Chief of the Indonesian Army. In der Zeile für den Verbleibsnachweis steht ein Strich. Eine Hand hat an den Rand geschrieben: „Kein Bedenken“ [sic].53 Am 24. Juni 1968 fragte das Wirtschaftsministerium wegen 10.000 G3-Gewehren von Heckler & Koch, dem Standardsturmgewehr der Bundeswehr, für die indonesische Armee an. Ein Referent schrieb binnen zwei Tagen „keine Bedenken“ auf das Schreiben; die Freigabe folgte am 27. Juni. Im November wurden weitere 20.000 Gewehre freigegeben, im Wert von rund 7 Millionen DM. Wieder: „keine Bedenken“.54 Eine handschriftliche Notiz in der Heckler-&-Koch-Akte ergänzt, dass Rheinmetall nach Mitteilung des Wirtschaftsministeriums schon 1960/61 10.000 Gewehre an Indonesien geliefert habe. Das Geschäft war älter als das Massaker.55

Zusammengerechnet belegen allein die deutschen Akten für die Jahre 1960 bis 1968 folgende Lieferungen, Genehmigungen und Anträge für das indonesische Militär: mindestens 40.250 Gewehre (10.000 von Rheinmetall 1960/61, 30.000 G3 von Heckler & Koch und 250 BM 59 im Jahr 1968), dazu 9.750 Gewehrverschlüsse, 5.000 Läufe und 42.000 Ersatzteile; 20.000.000 Patronen Kaliber 7,62 mm; 255.800 Kilogramm Nitroglycerinpulver; ein Sprengstoffprojekt für die Armee, allem Anschein nach ein und dasselbe, betrieben über Ferrostaal und Fritz Werner und mit 40 bis 80 Millionen DM bewertet; sowie Verträge über 63 Millionen DM für Indonesiens Rüstungs- und Munitionsfabriken vor dem Putsch. Das ist die Arithmetik von „keine Bedenken“.

Bilanz — 1960–1968

Die Arithmetik von „keine Bedenken“

Lieferungen, Genehmigungen und Anträge für das indonesische Militär, die die deutschen Akten belegen, in der Reihenfolge der Entscheidungen. Die Zeilen über der Linie liegen vor dem Putsch.

1. Apr. 1968, D25. „Als Verbleibsnachweis(e) wurde(n) vorgelegt: –“. Kein Nachweis, wo 42.000 Gewehrteile landen würden, und von Hand darunter: „Kein Bedenken“.
DatumWasMengeFirmaDie Akte sagtQuelle
1960/61Gewehre10.000Rheinmetallhandschriftliche Notiz in der Heckler-&-Koch-Akte, nach Mitteilung des WirtschaftsministeriumsAnm. 55
27. Jan. 1965Lieferverträge für Rüstungs- und Munitionsfabriken≈ 63 Mio. DMFritz Werner„bundeseigene Firma“Anm. 42
13. Mai 1965Zollboote3—aus dem Hilfspaket herausgehalten, „wegen der Möglichkeit einer militärischen Verwendung“Anm. 35
1. Okt. 1965 — die Armee übernimmt das Land
26. Okt. 1965Pistolengriffe für die Armee——„kein Kennzeichen als deutsches Produkt“Anm. 45
11. Nov. 1965Schwimmwesten für Heer und Marine——„um unsere Aufgeschlossenheit gegenüber der indonesischen Armee und Marine zu bekunden“Anm. 46
26. Nov. 1965Sprengstofffabrik80 Mio. DMFritz WernerNasutions Sonderbeauftragter: der General bleibt interessiertAnm. 43
3. Dez. 1965Zollboote, dieselben drei3—weil die Streitkräfte „die kommunistische Partei systematisch vernichten“Anm. 34
28. Jan. 1966Komplette Sprengstoffanlagen15 · ≈ 40 Mio. DMFerrostaalvom Auswärtigen Amt befürwortet; Genehmigungen am 22. Februar 1966 zurückgestelltAnm. 49Anm. 50
7. Juli 1966Nitroglycerinpulver255.800 kgDynamit Nobel, für Fritz Wernerkeine BedenkenAnm. 52
8. Juli 1966Werbung für den Jagdpanzer—Rheinstahl Hanomagkeine Bedenken mehrAnm. 51
18. März 1968Gewehre BM 59 · Verschlüsse · Rohre250 · 9.750 · 5.000Fritz Werner, gefertigt von BerettaKäufer: der „Minister Commander in Chief of the Indonesian Army“Anm. 44
1. Apr. 1968Einzelteile für das BM 5942.000 · 3.791.730 DMFritz WernerVerbleibsnachweis: ein Strich
Kein Bedenken
Anm. 53
27. Juni 1968Sturmgewehre G310.000Heckler & Kochkeine BedenkenAnm. 54
Nov. 1968Sturmgewehre G320.000 · ≈ 7 Mio. DMHeckler & Kochkeine BedenkenAnm. 54
Nov. 1968Munition 7,62 mm20.000.000 PatronenIndustriewerke Karlsruhe„ohne NATO-Markierung“Anm. 47
40.250Gewehre, mindestens
9.750Gewehrverschlüsse
5.000Rohre
42.000Ersatzteile
20.000.000Patronen 7,62 mm
255.800 kgNitroglycerinpulver
40–80 Mio. DMSprengstoffprojekt, offenbar ein und dasselbe, über Ferrostaal und Fritz Werner
63 Mio. DMin Verträgen für Rüstungs- und Munitionsfabriken, vor dem Putsch

Summen, wie der Text sie allein aus den deutschen Akten zusammenrechnet. Die Stempel geben den Wortlaut der Akten wieder.

Kapitel 09

Die Bundeswehr, der BND und die Mörder

Der deutsche Beitrag beschränkte sich nicht auf Material. Am 15. November 1965 schickte die Botschaft Charakterskizzen des neuen indonesischen Armeestabs nach Bonn. Über Brigadegeneral Sumitro berichtete sie:

„Sumitro verdiente sich seine Sporen, als er seit dem Januar ds.Js. als frischgebackener Brigadegeneral in der Provinz Ostkalimantan in wenigen Monaten geräuschlos mit den von seinem Vorgänger Suharjo hochgezüchteten und geförderten Kommunisten aufräumte. Sumitro absolvierte ein Jahr an der Führungsakademie der Bundeswehr. Er ist eine der politischen Hoffnungen der Armee.“56

Eine deutsche Botschaft führte in einem amtlichen Bericht die Säuberung von Kommunisten und ein Ausbildungsjahr bei der Bundeswehr nebeneinander auf, als Qualifikationen. Mit dem Völkermord endete die Verbindung auch nicht. Konsultationsunterlagen vom Januar 1969 halten fest, dass jedes Jahr zwei bis drei indonesische Offiziere an der Führungsakademie der Bundeswehr ausgebildet wurden und dass der Generalinspekteur der Bundeswehr, Ulrich de Maizière, kurz zuvor in Jakarta zugesagt hatte, indonesische Wünsche nach deutscher Ausrüstungs- und Ausbildungshilfe zu unterstützen, falls solche Wünsche vorgebracht würden. Am 7. Januar 1969 in Paris brachte der Politische Direktor des Auswärtigen Amts Bonns Ziel gegenüber den Franzosen auf einen Satz: „Politisch gesehen hat Bundesrepublik alles Interesse, die derzeitige indonesische Regierung zu stützen“.57 Bonn hatte schon früher angeboten, für indonesische Offiziere zu zahlen. Im März 1965 erklärte es sich bereit, die Reisekosten von drei Offizieren aus Sukarnos Garderegiment zu übernehmen, dem Tjakrabirawa, dem Regiment, in dem Oberstleutnant Untung, der Offizier, der den Putsch vom 30. September anführte, ein Bataillon befehligte.58

Ein geheimes Fernschreiben der Botschaft in Jakarta vom 11. Oktober 1967, eingegangen am 12. Oktober, zeigt, wie weit die Zusammenarbeit gehen sollte. Der Militärattaché habe „ausbildung indonesischer nachrichtenoffiziere beim bnd“, dem Bundesnachrichtendienst, „und zusammenarbeit bzw. nachrichtenaustausch ueber kommunismus befuerwortet“. Botschafter Luedde-Neurath hatte nichts dagegen einzuwenden, sofern der Empfänger der zentrale indonesische Nachrichtendienst sei. Dasselbe Fernschreiben meldete, dass ein Hauptmann a. D. aus einer besonderen Nachrichteneinheit der Siliwangi-Division von zwei Generälen entsandt worden war, um in der Bundesrepublik und in Holland die Tätigkeit von Gruppen zu untersuchen, die in Opposition zum amtierenden Staatsoberhaupt Suharto standen. Die Sorge des Botschafters war, dass es „zu politischem aerger fuehren“ könne, wenn das bekannt würde.59 Einen Tag zuvor, am 10. Oktober 1967, vertrat das Bundesministerium des Innern die Auffassung, die Kontakte des indonesischen Nachrichtendienstes solle das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), der Inlandsgeheimdienst, wahrnehmen, weil der indonesische Dienst sich „für seine Landsleute in der Bundesrepublik Deutschland zu interessieren“ scheine. Das Ministerium riet zur Zurückhaltung, mit Blick auf den öffentlichen Skandal um die Überprüfung indonesischer Studenten in Deutschland durch die indonesische Botschaft. Doch Bonn wusste, worauf es der indonesische Dienst auf deutschem Boden abgesehen hatte.60

Kapitel 10

„Blut, Leichen, Beine, Köpfe“

Die Grabstätte, an der die Familie eines Überlebenden endete, in der Eröffnungsszene des Films
Die Grabstätte, an der die Familie eines Überlebenden endete, in der Eröffnungsszene des Films. Filmstill: hd

Was die deutschen Akten in der trockenen Sprache des diplomatischen Fernschreibens beschreiben, schildern die Überlebenden mit ihren eigenen Worten. Für unseren Dokumentarfilm haben wir sie in Indonesien interviewt, mehr als ein halbes Jahrhundert nach den Ereignissen.

Aus dem Film — Zeugnisse

In ihren eigenen Worten

WarnungDiese Zeugnisse schildern Folter, Vergewaltigung und Mord. Die Untertitel sind die deutschen Untertitel des Films; die Transkripte folgen ihnen.

Einer von ihnen kehrte mit uns an das Massengrab zurück, in dem seine Familie ihr Ende fand: „Früh am Morgen sind wir durch diesen Wassertunnel hier rein und haben erfahren, dass sie meine Familie, meine Onkel, den älteren und den jüngeren Bruder meines Vaters, alle geholt hatten … Es hat sich herausgestellt, dass sie Leichen geworden waren. Hier, auf diesem Begräbnisplatz. Da haben wir Blut gesehen, Leichen, Beine, Köpfe. Manche waren schon zerstückelt. Es waren viele.“61

Bedjo Untung war ein Schüler aus Pemalang in Zentraljava. Sein Vater wurde Anfang Oktober 1965 abgeholt und kam nie zurück. Ihn selbst fassten sie fünf Jahre später: „Ich musste meine Kleider und meine Hose ausziehen. Die Spitze meines Zeigefingers wurde an einen Draht gebunden, der unter Strom stand. Ich bekam Stromschläge und wurde mehrmals geschlagen.“ Was er in der Haft mit ansah, fasste er in einem Satz zusammen: „Sie bekamen Stromschläge, wurden geschlagen, aufgehängt und dann mit Rasiermessern in Stücke geschnitten. Manchen wurde sogar der Kopf abgeschlagen.“62

Die Gewalt war auch sexuelle Gewalt, und sie machte auch vor Kindern nicht halt. Eine Frau erzählte uns, was geschah, als ein Trupp kam, um ihren Vater zu holen: „Sie haben meiner Mutter die Hände gefesselt und sie ins Schlafzimmer gebracht. Mich haben sie derweil festgehalten und gepackt. Ich wurde von fünf Männern vergewaltigt. Stellen Sie sich das vor, ich war erst 14, und fünf Männer haben mir das angetan. Ich habe keine Luft mehr bekommen, ich dachte sogar, ich würde sterben.“ Eine andere, Frau Saenah, war 1965 eine junge Frau, als die Männer Nacht für Nacht kamen, um ihren Vater und ihren Bruder zu holen. Der Vorwurf lautete wie immer: Mitgliedschaft in der PKI. „Ich wurde vergewaltigt. In diesem Büro … ich wurde … dreimal, das weiß ich. Sie haben sich abgewechselt! Oh Gott, ich … Gott, ich habe geweint … ich war wohl bewusstlos …“63

Andere wurden gezwungen, der Todesmaschinerie zu Diensten zu sein. Martono, ein Schweißer, wurde im November 1965 vom Fallschirmkommandoregiment RPKAD verschleppt, geschlagen, beinahe verbrüht und dann zur Arbeit eingesetzt: „Wenn sie Leute mit Strom getötet hatten, und mit der Zeit, da haben sie mir gesagt, ich soll mich darum kümmern. Jedes Mal, wenn sie viele Leichen hatten, haben sie mich gerufen: ‚Martono!‘ Dann musste ich sie holen. Ich habe die Leichen weggeschleift. Eigentlich war ich ja ein Gefangener. Ich hatte keine Wahl, ich wurde gezwungen. Hätte ich mich geweigert, wäre ich heute tot.“ Ein anderer Mann musste die Leichen in den Fluss werfen: „Hier haben wir Leichen in den Fluss geworfen. Damals sind sie einfach hinuntergerollt. Ich weiß noch, jedes Mal, wenn ich die Leichen hineingeworfen habe, habe ich ein Gebet gesprochen: ‚Oh Herr, das sind deine Geschöpfe.‘“64

Die Willkür des Terrors zeigt sich in einem einzigen Detail aus einem weiteren Interview. Der Onkel des Erzählers stand im Verdacht, der BTI anzugehören, der Bauernfront der PKI, „weil sie bei ihm im Haus einen Hut gefunden haben, einen Bauernhut mit den Buchstaben ‚BTI‘. Also wurde er auch hingerichtet.“ Das war der ganze Beweis. Im Botanischen Garten, erinnerte sich derselbe Zeuge, wurden die Opfer mit Schwertern enthauptet: „Sie wurden verstümmelt, zerhackt und abgeschlachtet.“65

Die Täter bestätigten all das, ohne Reue. Ein Milizionär beschrieb, wie er sich bewaffnete: „Die Idee war Dschihad. Also dachte ich, ich suche mir eine Waffe. Ich bin auf den Markt gegangen und habe nach Eisen gesucht. Daraus wurde eine prächtige Axt gemacht. Scharf.“ Er wurde als Burhan Kampak bekannt, Burhan die Axt. Dann nahm ihn der Staat in die Schule: „Dann haben wir uns mit den Streitkräften abgestimmt. Sie haben uns ausgebildet, Studenten und junge Leute, damit wir geschickter werden.“ Und gleich danach, ohne dass ihn jemand gefragt hätte, klärt er die Frage, wer hier wen angriff: „Wir haben keine Vergeltung geübt, nein, aber wir mussten sie töten.“ Es gab nichts zu vergelten. Sie töteten trotzdem.

Alles Weitere, was uns die Täter erzählten, klingt genauso flach. Zur Dauer der Arbeit: „Es war damals unglaublich, von 1965 bis 1968. Überall sonst war schon alles vorbei. Hier hat es drei Jahre gedauert, die Säuberung.“ Auf die Frage, wie viele Menschen er getötet habe: „Na ja, das weiß ich nicht mehr. Jedenfalls, wenn ich sie getroffen habe, hieß es: du stirbst oder ich sterbe. Das war’s.“ Auf die Frage, ob es irgendeinen Prozess gegeben habe: „Na ja, nein, ein Gericht war nicht nötig, wir waren im Krieg. Die Lage war ein Krieg. Also gab es kein Gericht. Es war Krieg, Bruder.“ Und auf die Frage, ob er denn gar keine Reue empfinde: „Reue? … Ach nein … Ich war begeistert! Ich bereue nichts, denn sie waren unsere Feinde.“66

Wer die Massaker überlebte, verschwand in den Lagern. Bedjo Untung war einer von ihnen. Im Salemba-Gefängnis in Jakarta saß er in einem Block, der so überfüllt war, „dass sogar die Toiletten als Haftzellen benutzt wurden“, und in dem die Gefangenen Kanalratten fingen und aßen, weil es so wenig zu essen gab. Er wurde 1970 verhaftet und 1979 freigelassen: neun Jahre Haft ohne irgendein rechtliches Verfahren.67 Insgesamt wurden zwischen 800.000 und drei Millionen Indonesier getötet, und Hunderttausende weitere wurden verstümmelt, vergewaltigt oder jahrelang eingesperrt, manche jahrzehntelang.

Das Morden, das sie schildern, steht in den Akten der Bundesregierung, in ihrer bürokratischen Sprache: „unmenschliche Grausamkeit“, „kurzen prozess“, „Mordwelle“, „entsetzliches Blutbad“, „vollständig ausgerottet“.

Der Fluss, in den 1965 Leichen geworfen wurden
Der Fluss, in den 1965 Leichen geworfen wurden. Filmstill: hd
Kapitel 11

Was Deutschland wusste

Von den ersten Wochen des Mordens bis ins Jahr 1966 erfuhr Bonn Woche für Woche, wie viele gestorben waren, in welcher Provinz und wann. Die Kette reißt nirgends ab: die Probeverhaftungen und die gerüchteweise gemeldeten Begräbnisse vom Januar 1965, die Offiziere, die im Juni erklärten, sie warteten auf ihren Augenblick, die Flugblätter vom Oktober mit dem Aufruf zum Heiligen Krieg, die Bilanzen vom Dezember, die geheime Zahl von fast 800.000 im Februar 1966.

Am 25. Oktober 1965 meldete Attaché Meyer, die Streitkräfte hätten den Feldzug gegen die PKI über die muslimische Partei und ihre Anhänger eröffnet, „jedoch mit wohlwollender Förderung durch die Streitkräfte“. Angeblich entdeckte PKI-Dokumente, fügte er hinzu, hätten die Begründung dafür geliefert, die Maßnahmen zu verschärfen und fortzusetzen.68 Am 29. Oktober gab ein Fernschreiben mit großem Verteiler in Bonn den Bericht des dpa-Korrespondenten wieder, gekabelt unter dem Decknamen „der bekannte Gewährsmann“, den Werz „ohne eigene stellungnahme“ weiterleitete. Es gab ungeprüft Meldungen über kommunistische Morde und Brandstiftungen wieder, mindestens 150 Tote in Ost- und Mitteljava und 21 in Balikpapan, und nannte das, was darauf folgte, „weissen gegenterror“: mindestens 500 von Menschenmengen getötete Kommunisten in Nordsumatra, und auf der Insel Madura vor Ostjava sei „kein aktiver kommunist mehr am leben“. Fallschirmjäger machten mit Gefangenen offenbar „kurzen prozess“, und Rebellengruppen seien in ödes Land abgedrängt worden, „um sie dort buchstaeblich auszuhungern“. Der BND sah dasselbe. Sein Bericht vom 3. November 1965, abgelegt unter dem Betreff „Föhrenwald“, beschreibt „ein regelrechtes Abschlachten von Kommunisten“ in Mittel- und Ostjava, „in erster Linie durch fanatische Moslems“, und hält fest, die vielen antikommunistischen Aktionen seien „selbstverständlich von der Armeeführung sorgfältig vorbereitet“.69

Am 29. November 1965 gab Botschafter Werz folgende Information nach Bonn weiter: „nach einer vertraulichen information von armeeseite ist pki-chef aidit am 21. november bei solo [Surakarta] in mitteljava vom militaer gefasst und am folgenden tag erschossen worden.“70 Dipa Nusantara Aidit war der Vorsitzende der PKI. Seinen Bericht vom 14. Dezember 1965 mit dem Betreff „Verluste der indonesischen Bevölkerung seit 1. Oktober d.J.“ eröffnete Werz so: „Der Kampf der Armee und der Moslems gegen die Kommunisten wird außerhalb Djakartas mit verbissener Härte und zum Teil unmenschlicher Grausamkeit geführt.“ Die staatliche Nachrichtenagentur Antara, schrieb er, veröffentliche täglich Meldungen über die Gefangennahme und Tötung von Kommunisten, die nach ihrer Darstellung Widerstand geleistet hätten, doch ihre Zahlen blieben nach den bisher vorliegenden Informationen der Botschaft „weit hinter der Wirklichkeit zurück. Die wahren Verlustzahlen übertreffen die offiziellen Angaben um ein Vielfaches.“ Seine eigenen Zahlen, von Zeugen in den Provinzen, aus vertraulichen indonesischen Berichten und von befreundeten Vertretungen, seien nach seinen Worten wohl noch zu niedrig, und weitere schwere Verluste seien zu erwarten. Dann die Tabelle: Ostjava rd. 50.000 Tote, meist Kommunisten; Mitteljava rd. 40.000, Kommunisten und Nichtkommunisten; Westjava einschließlich Jakarta rd. 10.000, weitaus überwiegend Kommunisten; Nordsumatra rd. 20.000, weitaus überwiegend Kommunisten; Aceh rd. 3.000, ausschließlich Kommunisten; Madura rd. 2.000, ausschließlich Kommunisten; Bali rd. 3.000, überwiegend Kommunisten.71 Zusammengerechnet: rund 128.000 Tote bis Mitte Dezember 1965.

Daten — 14. Dez. 1965

Die Zählung der Botschaft, Provinz für Provinz

Bericht 1518/65, „Verluste der indonesischen Bevölkerung seit 1. Oktober d.J.“. Werz schrieb, seine eigenen Zahlen seien wohl noch zu niedrig.

Zusammengezählt, bis Mitte Dezember 1965rund 128.000

Quelle: Botschaftsbericht Nr. 1518/65, Djakarta, 14. Dezember 1965, VS-NfD. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 170, Scans B-08–B-10 · · Anm. 71

Dieser Bericht bietet keinerlei Grundlage für eine spätere Behauptung, Bonn habe das Wesen der Gewalt nicht begriffen. Werz notierte, auf Madura und in Aceh hätten fanatische Muslime mit einer kommunistischen Präsenz, die dort ohnehin nie sehr stark gewesen sei, kurzen Prozess gemacht. Der Militärgouverneur von Aceh an der Nordspitze Sumatras habe dem Provinzparlament mitgeteilt, das PKI-Verbot habe in seinem Bereich nur noch theoretische Bedeutung, „infolge der physischen Auslöschung der Kommunisten dort“.72

In Nordsumatra wurden nach zuverlässigen Angaben jede Woche etwa 2.000 Menschen getötet, fast alle Kommunisten. Die Botschaft hielt fest, wie methodisch dabei vorgegangen wurde: „In einem fast stereotypen Vorgang verlädt die Armee bei Razzien kommunistenverdächtige Menschen auf LKW’s, die in einiger Entfernung später von einer erregten Menschenmenge angehalten werden. Nach einigen symbolischen Warnschüssen der Armee werden die Häftlinge dann der Bevölkerung überlassen und von dieser umgebracht.“

Dann Java. Die amerikanische Botschaft bezifferte die Toten dort auf 100.000, eine Zahl, die nach dem Befund der deutschen Botschaft mit ihren unabhängigen Informationen übereinstimmte. Auf Bali lief die „Mordwelle“ erst seit etwa zwei Wochen. Eine erste Welle von Ausschreitungen Mitte November hatte zahlreiche Häuser von Kommunisten in Brand gesetzt; dann, um den 1. Dezember, verlegte die Armee sechs Panzer aus Probolinggo in Ostjava auf die Insel, und diese richteten, als sie auf Widerstand stießen, in der Provinzstadt Negara „ein entsetzliches Blutbad“ an. Eine balinesische Lokalzeitung berichtete, allein in Negara seien 1.506 Menschen ums Leben gekommen. Die vergleichsweise niedrigen Zahlen für Westjava führte die Botschaft auf die mäßigenden Bemühungen des Militärgouverneurs in Bandung zurück, Generalmajor Ibrahim Adjie, desselben Adjie, dessen Probeverhaftungen der deutsche Attaché elf Monate zuvor gemeldet hatte. Adjie sagte jetzt, er fürchte von den fanatisierten Muslimen Schlimmeres als von den Kommunisten.

Dann, am Ende des Berichts, eine Zeile über die Lebenden. Über die Zahl der in Gefängnissen und Lagern Festgehaltenen seien noch keine genaueren Aufschlüsse zu gewinnen gewesen, schrieb Werz, doch in den Zeitungen häuften sich die Klagen, man wisse nicht mehr, wo der ständig wachsende Strom der Verhafteten untergebracht werden solle. Er dürfte sich, fügte er hinzu, auf mehrere Hunderttausend belaufen.73 Wenige Tage später meldete die Botschaft, in Medan, der größten Stadt Sumatras, seien rund sechzig Chinesen „mit stillschweigender Duldung der Armee“ ermordet worden.74 Nichts davon blieb Bonn verborgen; alles steht in den Akten.

Am 17. Dezember 1965 hielt das Büro des Staatssekretärs die Einschätzung des politischen Referenten der Botschaft fest. General Sukendro habe bei seinem Besuch in Bonn die offiziellen Opferzahlen vorgetragen; diese, heißt es in der Aufzeichnung trocken, „seien jedoch unrichtig“. Eine indonesische Quelle beziffere die Getöteten allein in Ostjava auf 14.000 und in Nordsumatra bisher auf 15.000 bis 20.000, „und zwar ausschließlich Kommunisten“. In Aceh und auf Madura sei die Kommunistische Partei „vollständig ausgerottet“, in Aceh mit 3.000 Toten. Von den 2.000 Mitgliedern der kommunistischen Jugendorganisation, die, wie die Aufzeichnung lapidar feststellt, an der Entführung und Ermordung der sechs Generäle wesentlich beteiligt gewesen seien, „lebe kaum noch einer“. Das Militärtribunal, heißt es weiter, „werde Mühe haben, genügend Angeklagte zu finden“. Dann folgt der Satz, der zusammenfasst, was Bonn wusste:

„Das Morden gehe in der Stille, aber mit unglaublicher Verbissenheit und Grausamkeit weiter.“75

Am 21. Februar 1966 kabelte die Botschaft, als geheim eingestuft, nach Bonn, was ihr über die Ergebnisse von Sukarnos eigener Untersuchungskommission berichtet worden war:

„waehrend sukarno behauptete, die zahl der nach dem putsch getoeteten sei 87.500, habe die kommission in wirklichkeit festgestellt, dass sie fast 800.000 betrage. vor allem auf sumatra und bali habe ein blutvergiessen ungeheuren ausmasses stattgefunden. auf bali habe man ganze doerfer umgebracht, da beleidigung der hindu-religion jeweils durch toetung der ganzen sippe geahndet werde.“76

Eine Zahl von fast 800.000 Toten lag dem Auswärtigen Amt im Februar 1966 vor, mit dem Stempel „Geheim“. Auf der nächsten Seite gibt der Botschafter eine noch höhere Zahl weiter: „auch von anderer seite hoere ich, dass die zahl der getoeteten viel hoeher sei als von sukarno zugegeben. ein mitglied des indonesischen geheimdienstes in surabaja beziffert sie auf eineinhalb millionen.“ Die oben beschriebenen Waffengenehmigungen von 1966 und 1968 kamen alle erst danach. Und doch erklärte die Bundesregierung 2014 dem Bundestag, sie habe „keine genauen Erkenntnisse“ über die Zahl der Opfer.77 Die eigenen Akten der Regierung sagen etwas anderes.

Daten — Was Bonn wusste

Die Zahl der Toten in den Bonner Akten

Jede der folgenden Zahlen erreichte das Auswärtige Amt zwischen Dezember 1965 und Februar 1966. Die Rüstungsgenehmigungen von 1966 und 1968 kamen alle danach.

27. Mai 2014Die Antwort der Bundesregierung an den Bundestag„keine genauen Erkenntnisse“—

Quellen: Bericht 1518/65 (), geheimes Fernschreiben Nr. 59 vom 21. Februar 1966 (), Bundestagsdrucksache 18/1554 (). Der graue Balken ist Sukarnos öffentliche Zahl, nicht die der Botschaft.

Kapitel 12

Nazis für Jakarta

Sieben Männer leiteten die Vertretung zwischen 1952 und 1970, und sechs von ihnen waren NSDAP-Mitglieder oder NS-Propagandisten gewesen: Fünf waren Mitglieder der NSDAP, der sechste hatte NS-Propaganda für Ostasien gemacht. Jeder der sechs, die auf den ersten Botschafter Werner Otto von Hentig folgten, hatte seine Laufbahn im Auswärtigen Dienst zwischen 1933 und 1945 aufgebaut. Sie dienten unter Joachim von Ribbentrop, Hitlers Außenminister.

Die Parteinummern sind aktenkundig. Dietrich von Mirbach, Botschafter von 1959 bis 1963, trat am 1. Mai 1933 mit der Nummer 2.781.465 ein und gehörte bis 1935 der SA an, der Sturmabteilung der NSDAP; laut dem Braunbuch der DDR, von dem weiter unten die Rede ist, war er im Krieg persönlicher Referent von Staatssekretär Gustav Adolf Steengracht von Moyland, der in Nürnberg im Wilhelmstraßen-Prozess gegen hohe Beamte des Reiches verurteilt wurde. Gerhart Weiz, 1963 bis 1964, war ab 1933 in der SA und ab 1937 in der Partei. Laut dem Braunbuch hatte er sich zudem um Aufnahme in die SS und 1934 um eine Verwendung bei der Gestapo beworben. Luitpold Werz, 1964 bis 1966, trat am 1. Oktober 1934 mit der Nummer 2.873.248 ein und leitete in den letzten Kriegsmonaten das Referat Inland II B in der Gruppe Inland II des Auswärtigen Amts, dem Bereich, der mit Heinrich Himmlers SS- und Polizeiapparat befasst war. Kurt Luedde-Neurath, Botschafter von 1966 bis 1968 und damit im Amt, während das Morden weiterging, trat am 1. Mai 1937 mit der Nummer 4.745.122 ein und war von 1933 bis 1939 in der SA gewesen. Helmut Allardt, 1954 bis 1958, stellte im März 1939 seinen Aufnahmeantrag und wurde im August desselben Jahres mit der Nummer 7.055.168 aufgenommen. Hilmar Bassler, der letzte von ihnen, von 1968 bis 1970, war laut dem Braunbuch im Krieg in der Presseabteilung des Auswärtigen Amts für die NS-Propaganda in Ostasien zuständig und ein Vertrauensmann der Gestapo und des SD, des Geheimdienstes der SS. Eine Parteimitgliedschaft ist für ihn nicht belegt.78

Ein Mann gehört nicht auf diese Liste. Für Werner Otto von Hentig, 1952 der erste Botschafter der Bundesrepublik in Indonesien, ist keine Parteimitgliedschaft belegt. Er war ein Kritiker des Regimes, der im Dienst blieb und ihn nutzte. Als Verbindungsoffizier bei der 11. Armee in der Ukraine protestierte er 1941 und 1942 wiederholt gegen die Massaker der Einsatzgruppe D, jener SS-Einheit, die im Süden der Ukraine und auf der Krim Zehntausende Juden ermordete, und nannte sie Mord. Einen solchen Mann hatte Bonn in seinen Reihen. In den sechzehn Jahren danach schickte es die anderen.79

Daten — Nazis für Jakarta

Sieben Botschafter: fünf Parteimitglieder und ein NS-Propagandist

Die Missionschefs der Bundesrepublik in Djakarta, 1952–1970, mit den Angaben aus dem Text.

Werner Otto von Hentigab 1952keine Parteimitgliedschaft belegt
Helmut Allardt1954–58NSDAP-Nr. 7.055.168 · aufgenommen 1939
Dietrich von Mirbach1959–63NSDAP-Nr. 2.781.465 · eingetreten 1. Mai 1933
Gerhart Weiz1963–64SA ab 1933 · NSDAP ab 1937
Luitpold Werz1964–66NSDAP-Nr. 2.873.248 · eingetreten 1. Okt. 1934
Kurt Luedde-Neurath1966–68NSDAP-Nr. 4.745.122 · eingetreten 1. Mai 1937
Hilmar Bassler1968–70NS-Propaganda für Ostasien · keine Parteimitgliedschaft belegt
NSDAP-MitgliedNS-Propagandist, keine Parteimitgliedschaft belegtkeine Parteimitgliedschaft belegtdas Morden, ab Oktober 1965 bis in die frühen 1970er-Jahre

Mitgliedsnummern aus der NSDAP-Mitgliederkartei im Bundesarchiv und dem Braunbuch der DDR; für Weiz ist keine Nummer veröffentlicht, für Bassler keine Parteimitgliedschaft belegt (Anm. 78). Zu Werz die eigene Akte des Auswärtigen Amts: . Von Hentigs Nachlass: .

So besetzte Bonn seine Vertretung im größten muslimischen Land der Erde mit Männern, die die einschlägige Erfahrung mitbrachten. Laut dem Braunbuch hatte Bassler den Krieg damit verbracht, deutsche Propaganda für Ostasien zu produzieren, und danach in Bonn das Ostasienreferat geleitet, bevor er selbst nach Jakarta versetzt wurde. Er war dort, als das Morden von den Dörfern in die Gerichtssäle gewandert war. Im November 1968, inzwischen Leiter der Botschaft, berichtete er über den Protest ostdeutscher Juristen gegen die Hinrichtung dreier kommunistischer Führer, Njono, Sudisman und Wirjomartono, und zog das Fazit: Die Bundesrepublik „kann den ‚demokratischen Juristen‘ aus Pankow für diese ausgezeichnete Propaganda gegen die SBZ in der hiesigen Öffentlichkeit nur dankbar sein“.80 Pankow war der Ost-Berliner Bezirk, in dem die DDR-Führung wohnte. Das waren keine passiven Karrieristen mit einer unbequemen Vergangenheit. Werz, NSDAP-Mitglied, meldete die Opferzahlen, hoffte, dass die Armee, die „systematisch mit den Kommunisten aufräumt“, sich durchsetzen werde,81 und nannte das Massaker „eine ganz in unserem Sinne liegende Bereinigung“. Im Oktober 1965 hielt Bassler fest, dass Bundespresseamt und Deutsche Welle gebeten worden waren, die Gräuelpropaganda voranzutreiben, und wollte auch die großen Zeitungen „angeregt“ sehen. Drei Jahre später machte ihn die Bundesrepublik zu ihrem Botschafter in Jakarta.

Wenn die Botschaft von einer „Endlösung“ schrieb oder ihr politischer Referent meldete, die Kommunistische Partei sei „vollständig ausgerottet“, dann waren das keine gedankenlos hingeschriebenen Worte. Der Botschafter, der die Berichte mit dem Wort „Endlösung“ unterzeichnete, hatte dem Staat gedient, der diesen Worten ihre Bedeutung gegeben hatte.

Diese Kontinuität wurde nicht in Frage gestellt; sie wurde schriftlich verteidigt, in einer Akte des Auswärtigen Amts. Im Juni 1965 gab die indonesische Botschaft in Bonn eine Nachricht aus Jakarta weiter, wonach Sukarno und andere Gerüchte über die Nazivergangenheit von Botschafter Werz hörten. Die Akte räumt ein, was zutrifft: Werz war ab 1934 Mitglied der NSDAP und bis 1945 im Auswärtigen Amt des NS-Staats tätig, im Februar und März dieses letzten Jahres auch in der Abteilung Inland, auch wenn das Dokument darüber wenig Worte verliert. Doch der hohe Beamte, der den indonesischen Gesandten empfing, erklärte ihm, an der „einwandfreien Vergangenheit von Botschafter Werz“ könne seines Erachtens kein Zweifel bestehen, machte „die Brunnenvergifter aus Pankow“ für die Gerüchte verantwortlich und stellte Material zu ihrer Widerlegung in Aussicht; seine Aufzeichnung des Gesprächs ging an den Staatssekretär. Eine Woche später nannte ihn ein Papier des Auswärtigen Amts über seinen Werdegang einen „untadeligen Beamten“ und erklärte, die Angriffe gegen ihn basierten auf „unbewiesenen Unterstellungen“ und „reiner Verleumdung“.82 Es ist derselbe Botschafter, der wenige Monate später dreimal seinen Namen unter Sukarnos versprochene „politische Endlösung“ setzen und die Toten sechsstellig zählen sollte.

Bonn nannte die Vorwürfe Verleumdung; in Ost-Berlin standen sie gedruckt. Binnen Wochen veröffentlichte die DDR ihr Braunbuch, ein Verzeichnis ehemaliger Nazis in Ämtern der Bundesrepublik, das das Staatsarchiv anhand erbeuteter Akten erstellt hatte. Es kam von interessierter Seite, doch Bonns eigene Akte aus denselben Wochen räumte ein, was darin stand. Die Ausgabe von 1968 führt fünf der Botschafter in Jakarta auf: Werz, Mirbach, Weiz, Luedde-Neurath und Bassler.83

Dann war da noch der BND. Auch der Bundesnachrichtendienst hatte seinen alten SS-Mann in Jakarta. Reinhard Gehlen, der die Feindaufklärung von Hitlers Heer an der Ostfront geleitet hatte, baute ihn mit seinen alten Kameraden aus dem Krieg auf und führte ihn. In seinen Memoiren von 1971 erklärte Gehlen, der Erfolg der indonesischen Armee, die „die Ausschaltung der gesamten kommunistischen Partei mit Konsequenz und Härte verfolgte“, könne gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. In derselben Passage rühmte er sich, sein Dienst sei „in der glücklichen Lage“ gewesen, der Bundesregierung „aus hervorragenden Quellen“ über die entscheidenden Tage in Indonesien zu berichten, so wie er auch frühzeitig auf die sich zuspitzende Lage hingewiesen habe. Zu seinen Männern in Indonesien gehörte Rudolf Oebsger-Röder, seit 1931 NSDAP-Mitglied und später SS-Obersturmbannführer. Im Herbst 1939 führte er ein SD-Kommando im besetzten Bromberg in Polen, und im Frühjahr 1944, als die Juden Ungarns ghettoisiert und deportiert wurden, befehligte er Sicherheitspolizei und SD in Cluj. Nach dem Krieg ging er zur Organisation Gehlen, dem unter amerikanischer Aufsicht aufgebauten Spionagenetz, aus dem 1956 der BND hervorging. Nach Auskunft der Bundesregierung an den Bundestag aus dem Jahr 2023 arbeitete er von Dezember 1959 bis Dezember 1962 und erneut von Juli 1964 bis März 1966 in Indonesien für Gehlens Dienst, also während des Putsches und auf dem Höhepunkt der Massaker. Seine Tarnung war der Journalismus. Unter dem Namen O. G. Roeder schrieb er später die Biografie von General Suharto, The Smiling General. Die Akten des BND selbst, 2011 von seinem Haushistoriker veröffentlicht, ergänzen, was die Bundesregierung wegließ. Im Juli 1964 hatte der Dienst ihn auf Weisung seines Präsidenten „wegen der NS-Belastungen entlassen“ und dann trotzdem behalten, „als Quelle in INDONESIEN“, bis zum 31. März 1966. Über ihn vermerkt dieselbe Akte: „Bei Freund und Feind als BND-Mann bekannt“. Nach eigenen Angaben war er vom indonesischen Nachrichtendienst angesprochen worden, „um Sprachregelungen in die Presse zu lancieren“. Er war auch nicht der Einzige. 2023 teilte die Bundesregierung mit, die genaue Zahl lasse sich nicht feststellen, aus den bisher händisch überprüften Akten gingen aber drei Personen hervor, die zwischen 1965 und 1968 in Indonesien für den BND tätig gewesen waren; ihre Aufgabe, erklärte sie, sei die Beschaffung von Informationen gewesen.84 Ein SS-Veteran sammelte für Bonn Informationen, während das Morden seinen Lauf nahm, und schrieb danach die Lebensgeschichte des Mannes, der es befohlen hatte.

Kapitel 13

„Schulter an Schulter“: Bonn, Washington und die Sieger

Als US-Präsident Lyndon B. Johnson und Bundeskanzler Ludwig Erhard am 27. September 1966 in Washington zusammentrafen, war es Johnson, der auf Indonesien zu sprechen kam. Johnson erklärte, der Kommunismus habe während ihrer Amtszeit einen großen Verlust erlitten, der nicht ausreichend ausgenutzt worden sei: Indonesien, wo „ein Volk von hundert Millionen für den Kommunismus verlorengegangen“ sei. Er hoffe, sagte er, der Kanzler könne die derzeitige Führung Indonesiens mit deutschen Industriellen und mit Regierungshilfe unterstützen, und eine solche Zusammenarbeit werde zeigen, dass die Deutschen in der Hilfe für die Dritte Welt „Schulter an Schulter“ mit den Amerikanern stünden. Indonesien sei ein großer Sieg für die freie Welt gewesen, fügte er hinzu, einer, dem nicht die gebührende Aufmerksamkeit zuteil geworden sei, den man allerdings auch nicht zu laut hinausposaunen solle, weil der Sieg noch nicht ganz sicher sei. Erhard erwiderte, die deutsche Haltung habe sich natürlich verändert, „seitdem Sukarno in Indonesien nicht mehr der Allmächtige sei“, er glaube jedoch, „daß jetzt der Boden für größere Aktivität bereitet sei“.85

In der Praxis bedeutete solches Gerede die Vernichtung der Kommunisten und derer in ihrem Umfeld, von 1965 bis in die frühen Siebzigerjahre. Deutschland wusste es. Das Unternehmen war durch deutsche Kredite abgesichert, von deutscher Propaganda getragen und mit Gewehren, Munition und Pulver versorgt, die in Bonn freigegeben wurden, während Beamte ihre Zustimmung schriftlich festhielten: keine Bedenken.

Wardaya bringt den Unterschied in wenigen Sätzen auf den Punkt: „Dann gab es die Nürnberger Prozesse. Das konnte geschehen, weil im Fall Deutschlands die Täter den Krieg verloren haben. In Indonesien war es 1965 anders. Die Täter haben gewonnen, also haben sie die Macht übernommen.“86 Bis zum Sturz Suhartos 1998 wurde die Erinnerung an das Massaker zum Schweigen gebracht, und die Überlebenden lebten in der Angst, darüber zu sprechen. Die meisten Mörder werden bis heute als Helden gefeiert. Die Sieger hatten ihre Freunde in Bonn.

Berlin ist gefragt worden. 2014 erklärte die Bundesregierung dem Bundestag, zu Waffen, Geld oder Gütern, die zwischen 1964 und 1970 an Militär, Regierung und Geheimdienste Indonesiens geliefert wurden, lägen ihr „keine Daten mehr“ vor, und sie und der BND hätten die Tötungen „nach heutigem Kenntnisstand weder direkt noch indirekt unterstützt“. Die in diesem Artikel zitierten Genehmigungen liegen im eigenen Archiv des Auswärtigen Amts, offen für jeden, der danach fragt. Die Bundesregierung hatte das selbst gesagt: Eine Analyse der damaligen Reaktion Bonns, erklärte sie dem Bundestag, sei Sache der Historiker, und: „Entsprechende Akten im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts sind gemäß den gesetzlichen Bestimmungen zugänglich.“

Überlebende legen an einem Massengrab einen Kranz nieder
Überlebende legen an einem Massengrab einen Kranz nieder. Filmstill: hd

Gefragt, welche Kontakte Bonn während der Massaker zur Regierung Indonesiens unterhalten habe, nannte sie einen einzigen Besuch, den von General Sukendro im November 1965, und verschwieg die Unterstützung, die Carstens ihm zugesagt hatte. Drei ihrer neunzehn Antworten und den Teil einer vierten, der den BND betraf, wollte sie nicht öffentlich geben: was sie über ausländische Unterstützung für die Massaker wusste, welches Personal des Bundes zur Ausbildung oder Beratung in Indonesien gewesen war und ob der BND in der Botschaft in Jakarta eine „legale Residentur“ unterhalten hatte. Sie stufte diese Antworten als Verschlusssache ein und hinterlegte sie bei der Geheimschutzstelle des Bundestags. Dafür, dass sie geheim hielt, welches deutsche Personal in Indonesien ausgebildet oder beraten hatte, nannte sie einen einzigen Grund: die Vertraulichkeit der „Zusammenarbeit der Nachrichtendienste“. Einen Beleg für eine Unterstützung durch den BND habe sie, so erklärte sie, „in den bislang erschlossenen Akten des Bundesnachrichtendienstes“ nicht gefunden. 2020, nachdem die BND-Akten über die erbetenen 1,2 Millionen DM ans Licht gekommen waren, erklärte sie die „Mutmaßung“, der BND habe den indonesischen Nachrichtendienst sowie die Sondereinheiten und Milizen des Militärs „im Rahmen des Massenmords“ mit „Geld-, Beratungs- und Geräteleistungen“ unterstützt, für „nicht zutreffend“ und stufte den Rest ihrer Antwort als geheim ein. André Hahn, der Bundestagsabgeordnete der Linken, der gefragt hatte, las den geheimen Teil und sagte: „Die darin enthaltenen konkreten Zahlen zu tatsächlich geleisteten Unterstützungen des Regimes sollen offenkundig nicht bekannt werden.“ 2023, erneut gefragt, sah sie „keine Anhaltspunkte für eine zweckgerichtete Verstrickung“ deutscher Regierungen mit den Verantwortlichen, gab keine Forschung in Auftrag und erklärte, sie teile die „Hypothese einer Unterstützung“ nicht. Keine Entschuldigung, keine Historikerkommission, keine Reparationen.

Dieselbe Antwort von 2014 hält fest, dass die Bundeswehr zwischen 1960 und 1998 insgesamt 122 indonesische Soldaten ausgebildet hat und dass 1981 ein junger Hauptmann namens Prabowo Subianto bei der Antiterroreinheit GSG 9 des Bundesgrenzschutzes trainierte. Suhartos ehemaliger Schwiegersohn ist heute Präsident Indonesiens. Im November 2025 erklärte er Suharto zum Nationalhelden. Und sechzig Jahre später, während es Israels Krieg gegen Gaza unterstützt, spricht Berlin noch immer von „historischer Verantwortung“.87

Eine Recherche von Hüseyin Dogru, Journalist und preisgekrönter Dokumentarfilmproduzent.

Ohne Emrah Cilasun gäbe es diese Arbeit nicht. Emrah Cilasun forscht und schreibt, hat Wochen in den Archiven verbracht und war an jedem Schritt beteiligt, von der Recherche über die Analyse bis zur Auswertung.

Die Belege

Die Akten

80 Dokumente, die die Anmerkungen zitieren, 238 Seiten: 70 aus dem Politischen Archiv des Auswärtigen Amts, zwei aus dem Bundesarchiv in Koblenz, die gedruckte Aufzeichnung der Gespräche des Bundeskanzlers in Washington sowie die Kleine Anfrage im Bundestag von 2014 mit der Antwort der Bundesregierung. Jede Seite trägt die Scannummer, die die Anmerkungen nennen.

72 Dokumente nach Datum, 1963–1969 · ein Punkt je Dokument, zum Öffnen anklickenAußerhalb dieses Zeitraums:
1963196419651966196719681969
1. Okt. 1965
der Putsch

D761952–53

PA AA · Nachlass Werner Otto von Hentig (NL 103) · Bd. 123 · A-277–279, A-281–285

Zitiert in Anm. 79 · Nazis für Jakarta

D341. Juli 1963

PA AA · B 57 REF. 405/IIIA4 · Bd. 104 · A-003–004

Zitiert in Anm. 55 · Das Morden als Verkaufsargument

D5122. Dez. 1964

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 171 · A-398–403

Zitiert in Anm. 28, Anm. 30, Anm. 41 · „Aktionsprogramm Indonesien“: gegen den Kommunismus, für die Armee · Die Kommunisten vernichten: ein Argument für Unterstützung

D058. Jan. 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 169 A · A-441–442

Zitiert in Anm. 5 · „Endlich!“ Wie Deutschland den Putsch begrüßte

D6511. Jan. 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 171 · A-405

Zitiert in Anm. 31 · „Aktionsprogramm Indonesien“: gegen den Kommunismus, für die Armee

D1514. Jan. 1965

Bundesarchiv · B 102/200953 · K-28–29

Zitiert in Anm. 36 · Die Kommunisten vernichten: ein Argument für Unterstützung

D6719. Jan. 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 173 · A-048

Zitiert in Anm. 36 · Die Kommunisten vernichten: ein Argument für Unterstützung

D1620. Jan. 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 173 · A-052

Zitiert in Anm. 36 · Die Kommunisten vernichten: ein Argument für Unterstützung

D2127. Jan. 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 173 · A-060–066

Zitiert in Anm. 42 · Der deutsche Staat als Waffenhändler

D692. März 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 176 · A-207

Zitiert in Anm. 58 · Die Bundeswehr, der BND und die Mörder

D558. März 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 169 A · A-444, A-449

Zitiert in Anm. 6 · „Endlich!“ Wie Deutschland den Putsch begrüßte

D1717. März 1965VS-NfD

Bundesarchiv · B 102/186913 · K-02–04

Zitiert in Anm. 37 · Die Kommunisten vernichten: ein Argument für Unterstützung

D5616. Apr. 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 169 A · A-451–452

Zitiert in Anm. 6 · „Endlich!“ Wie Deutschland den Putsch begrüßte

D6813. Mai 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 173 · A-082

Zitiert in Anm. 35 · Die Kommunisten vernichten: ein Argument für Unterstützung

D4811. Juni 1965VS-Vertraulich

PA AA · B 130 VS-REG · Bd. 2586 A · A-426–429

Zitiert in Anm. 78, Anm. 82 · Nazis für Jakarta

D0318. Juni 1965VS-NfD

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 176 · A-210–212

Zitiert in Anm. 7 · „Endlich!“ Wie Deutschland den Putsch begrüßte

D8117. Juli 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 173 · A-092

Zitiert in Anm. 71 · Was Deutschland wusste

D014. Okt. 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 169 A · A-474

Zitiert in Anm. 4 · „Endlich!“ Wie Deutschland den Putsch begrüßte

D025. Okt. 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 169 A · A-480–481, A-483

Zitiert in Anm. 8, Anm. 10 · „Endlich!“ Wie Deutschland den Putsch begrüßte · Der Vorwand: was Bonn wusste und was es glauben wollte

D135.–6. Okt. 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 169 A · A-484–486, A-490–492

Zitiert in Anm. 24 · Propaganda made in Germany

D576. Okt. 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 169 A; B 37 REF. IB5 · Bd. 171 · A-418, A-487

Zitiert in Anm. 24 · Propaganda made in Germany

D586. Okt. 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 169 A · A-488–489

Zitiert in Anm. 25 · Propaganda made in Germany

D047. Okt. 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 169 A · A-493

Zitiert in Anm. 9 · „Endlich!“ Wie Deutschland den Putsch begrüßte

D667.–11. Okt. 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 171 · A-421–423

Zitiert in Anm. 17 · „Eine ganz in unserem Sinne liegende Bereinigung“

D599. Okt. 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 169 A · A-495

Zitiert in Anm. 84 · Nazis für Jakarta

D6411. Okt. 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 170 · B-87–88, B-94

Zitiert in Anm. 14 · Der Vorwand: was Bonn wusste und was es glauben wollte

D1215. Okt. 1965VS-Vertraulich

PA AA · B 130 VS-REG · Bd. 2585 · A-298–300, A-303

Zitiert in Anm. 23 · Propaganda made in Germany

D6315. Okt. 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 170 · B-86

Zitiert in Anm. 69 · Was Deutschland wusste

D0718. Okt. 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 170 · B-79, B-82

Zitiert in Anm. 12, Anm. 13 · Der Vorwand: was Bonn wusste und was es glauben wollte

D7319. Okt. 1965Geheim

PA AA · B 130 VS-REG · Bd. 2650 · A-320–323

Zitiert in Anm. 18 · „Eine ganz in unserem Sinne liegende Bereinigung“

D0925. Okt. 1965Persönlich

PA AA · Nachlass Luitpold Werz · Bestellnr. 3 · A-257, A-260

Zitiert in Anm. 19, Anm. 20, Anm. 81 · „Eine ganz in unserem Sinne liegende Bereinigung“ · Nazis für Jakarta

D4125. Okt. 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 170 · B-68–70

Zitiert in Anm. 68 · Was Deutschland wusste

D0826. Okt. 1965Persönlich · Vertraulich

PA AA · Nachlass Luitpold Werz · Bestellnr. 3 · A-261–262

Zitiert in Anm. 20 · „Eine ganz in unserem Sinne liegende Bereinigung“

D2626. Okt. 1965

PA AA · B 57 REF. 405/IIIA4 · Bd. 122 · A-115

Zitiert in Anm. 20, Anm. 45 · „Eine ganz in unserem Sinne liegende Bereinigung“ · Der deutsche Staat als Waffenhändler

D7927. Okt. 1965VS-Vertraulich

PA AA · B 130 VS-REG · Bd. 2585 · A-301–302

Zitiert in Anm. 12 · Der Vorwand: was Bonn wusste und was es glauben wollte

D4229. Okt. 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 170 · B-61–62

Zitiert in Anm. 69 · Was Deutschland wusste

D108. Nov. 1965Persönlich · Vertraulich

PA AA · Nachlass Luitpold Werz · Bestellnr. 3 · A-263–264

Zitiert in Anm. 21, Anm. 41 · „Eine ganz in unserem Sinne liegende Bereinigung“ · Die Kommunisten vernichten: ein Argument für Unterstützung

D7411. Nov. 1965

PA AA · B 57 REF. 405/IIIA4 · Bd. 122 · A-116

Zitiert in Anm. 46 · Der deutsche Staat als Waffenhändler

D0615. Nov. 1965VS-NfD

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 170 · B-42, B-48–49

Zitiert in Anm. 11, Anm. 15, Anm. 16, Anm. 22 · Der Vorwand: was Bonn wusste und was es glauben wollte · „Eine ganz in unserem Sinne liegende Bereinigung“

D3515. Nov. 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 176 · A-213–215

Zitiert in Anm. 56 · Die Bundeswehr, der BND und die Mörder

D62Okt.–Nov. 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 170 · B-36–41

Zitiert in Anm. 15, Anm. 16 · Der Vorwand: was Bonn wusste und was es glauben wollte

D6122. Nov. 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 170 · B-28–30

Zitiert in Anm. 26 · Propaganda made in Germany

D1824. Nov. 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 172 · A-342–344, A-347

Zitiert in Anm. 38, Anm. 41 · Die Kommunisten vernichten: ein Argument für Unterstützung

D2226. Nov. 1965VS-NfD

PA AA · B 57 REF. 405/IIIA4 · Bd. 122 · A-118

Zitiert in Anm. 43, Anm. 49 · Der deutsche Staat als Waffenhändler · Das Morden als Verkaufsargument

D1927. Nov. 1965VS-Vertraulich

PA AA · B 130-BStS · Bd. 424 · A-286–287

Zitiert in Anm. 39 · Die Kommunisten vernichten: ein Argument für Unterstützung

D1129. Nov. 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 170 · B-25–27

Zitiert in Anm. 22, Anm. 70 · „Eine ganz in unserem Sinne liegende Bereinigung“ · Was Deutschland wusste

D143. Dez. 1965VS-NfD

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 173; B 57 REF. 405/IIIA4 · Bd. 122 · A-112, A-117

Zitiert in Anm. 34 · Die Kommunisten vernichten: ein Argument für Unterstützung

D406. Dez. 1965VS-NfD

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 170 · B-24

Zitiert in Anm. 16 · Der Vorwand: was Bonn wusste und was es glauben wollte

D54Dez. 1965VS-NfD

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 170 · B-11–23

Zitiert in Anm. 16 · Der Vorwand: was Bonn wusste und was es glauben wollte

D4414. Dez. 1965VS-NfD

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 170 · B-08–10

Zitiert in Anm. 71, Anm. 72, Anm. 73 · Was Deutschland wusste

D4517. Dez. 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 172 · A-338, A-346

Zitiert in Anm. 75 · Was Deutschland wusste

D7020. Dez. 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 176 · A-230–233

Zitiert in Anm. 48 · Das Morden als Verkaufsargument

D5223. Dez. 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 175 · A-249–252

Zitiert in Anm. 74 · Was Deutschland wusste

D8023. Dez. 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 170 · B-04, B-07

Zitiert in Anm. 12, Anm. 22 · Der Vorwand: was Bonn wusste und was es glauben wollte · „Eine ganz in unserem Sinne liegende Bereinigung“

D6030. Dez. 1965

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 170 · B-06

Zitiert in Anm. 27 · Propaganda made in Germany

D3028. Jan. 1966

PA AA · B 57 REF. 405/IIIA4 · Bd. 122 · A-122–125, A-136

Zitiert in Anm. 41, Anm. 49 · Die Kommunisten vernichten: ein Argument für Unterstützung · Das Morden als Verkaufsargument

D311. Feb. 1966

PA AA · B 57 REF. 405/IIIA4 · Bd. 122 · A-131–132

Zitiert in Anm. 51 · Das Morden als Verkaufsargument

D4621. Feb. 1966Geheim

PA AA · B 130 VS-REG · Bd. 2650 · A-327, A-329–331

Zitiert in Anm. 76 · Was Deutschland wusste

D4721. Feb. 1966Geheim

PA AA · B 130 VS-REG · Bd. 2650 · A-328

Zitiert in Anm. 76 · Was Deutschland wusste

D7522. Feb. 1966

PA AA · B 57 REF. 405/IIIA4 · Bd. 122 · A-128

Zitiert in Anm. 49, Anm. 50 · Das Morden als Verkaufsargument

D3230. Juni 1966

PA AA · B 57 REF. 405/IIIA4 · Bd. 122 · A-133–135

Zitiert in Anm. 52 · Das Morden als Verkaufsargument

D5327. Sept. 1966Geheim

AAPD 1966 · Dok. 302 · S. 1263–1268

Zitiert in Anm. 41, Anm. 85 · Die Kommunisten vernichten: ein Argument für Unterstützung · „Schulter an Schulter“: Bonn, Washington und die Sieger

D7227. Feb. 1967VS-Vertraulich

PA AA · B 130 VS-REG · Bd. 2586 A · A-434–435

Zitiert in Anm. 32 · „Aktionsprogramm Indonesien“: gegen den Kommunismus, für die Armee

D3810. Okt. 1967VS-Vertraulich

PA AA · B 130 VS-REG · Bd. 2586 A · A-433

Zitiert in Anm. 60 · Die Bundeswehr, der BND und die Mörder

D3711. Okt. 1967Geheim

PA AA · B 130 VS-REG · Bd. 903 · A-290–291

Zitiert in Anm. 59 · Die Bundeswehr, der BND und die Mörder

D2318. März 1968

PA AA · B 57 REF. 405/IIIA4 · Bd. 122 · A-140–143

Zitiert in Anm. 44 · Der deutsche Staat als Waffenhändler

D251. Apr. 1968

PA AA · B 57 REF. 405/IIIA4 · Bd. 122 · A-145

Zitiert in Anm. 44, Anm. 53 · Der deutsche Staat als Waffenhändler · Das Morden als Verkaufsargument

D245.–17. Apr. 1968

PA AA · B 57 REF. 405/IIIA4 · Bd. 122 · A-144, A-146–147

Zitiert in Anm. 44 · Der deutsche Staat als Waffenhändler

D2017. Mai 1968

PA AA · B 57 REF. 405/IIIA4 · Bd. 104 · A-021–026

Zitiert in Anm. 40, Anm. 41 · Die Kommunisten vernichten: ein Argument für Unterstützung

D3324. Juni 1968

PA AA · B 57 REF. 405/IIIA4 · Bd. 122 · A-149–150, A-153–154

Zitiert in Anm. 54, Anm. 55 · Das Morden als Verkaufsargument

D2712. Nov. 1968

PA AA · B 57 REF. 405/IIIA4 · Bd. 122 · A-151–152

Zitiert in Anm. 47 · Der deutsche Staat als Waffenhändler

D7119. Nov. 1968

PA AA · B 37 REF. IB5 · Bd. 409 · A-334–335

Zitiert in Anm. 80 · Nazis für Jakarta

D367. Jan. 1969VS-NfD

PA AA · B 57 REF. 405/IIIA4 · Bd. 104 · A-027–031

Zitiert in Anm. 41, Anm. 57 · Die Kommunisten vernichten: ein Argument für Unterstützung · Die Bundeswehr, der BND und die Mörder

D862008

Osnabrücker Jahrbuch Frieden und Wissenschaft 15/2008, S. 183, 185

Zitiert in Anm. 84, Anm. 87 · Nazis für Jakarta · „Schulter an Schulter“: Bonn, Washington und die Sieger

D8523. Sept. 2011

Forschungs- und Arbeitsgruppe „Geschichte des BND“, Mitteilungen Nr. 2, S. 20

Zitiert in Anm. 84 · Nazis für Jakarta

D776. Mai 2014

Deutscher Bundestag · Drucksache 18/1377

Zitiert in Anm. 33, Anm. 77, Anm. 84 · Die Kommunisten vernichten: ein Argument für Unterstützung · Was Deutschland wusste · Nazis für Jakarta

D7827. Mai 2014

Deutscher Bundestag · Drucksache 18/1554

Zitiert in Anm. 3, Anm. 33, Anm. 77, Anm. 84, Anm. 87 · Einleitung · Die Kommunisten vernichten: ein Argument für Unterstützung · Was Deutschland wusste · Nazis für Jakarta · „Schulter an Schulter“: Bonn, Washington und die Sieger

D8314. Aug. 2020

Deutscher Bundestag · Drucksache 19/21639

Zitiert in Anm. 87 · „Schulter an Schulter“: Bonn, Washington und die Sieger

D8420. Jan. 2023

Deutscher Bundestag · Drucksache 20/5323

Zitiert in Anm. 41 · Die Kommunisten vernichten: ein Argument für Unterstützung

D8217. Feb. 2023

Deutscher Bundestag · Drucksache 20/5697

Zitiert in Anm. 3, Anm. 41, Anm. 84, Anm. 87 · Einleitung · Die Kommunisten vernichten: ein Argument für Unterstützung · Nazis für Jakarta · „Schulter an Schulter“: Bonn, Washington und die Sieger

Anmerkungen

Quellen

  1. 1
    Mitgliedschaft und Massenorganisationen: Richard Skretteberg, „The Massacre the World Forgot“, Perspectives 4/2015, Norwegian Refugee Council (NRC), 1. Dezember 2015 (drei Millionen Mitglieder, 20 Millionen Anhänger über Gewerkschaften sowie Bauern-, Jugend- und Frauenorganisationen); Geoffrey B. Robinson, The Killing Season. A History of the Indonesian Massacres, 1965–66, Princeton 2018, S. 9 und 43 (3,5 Millionen Mitglieder und weitere 20 Millionen in angeschlossenen Organisationen). Wahlen von 1955 (16,4 Prozent): Herbert Feith, The Indonesian Elections of 1955, Ithaca 1957. Landreform: Agrargrundgesetz, Gesetz Nr. 5/1960; zu den „unilateral actions“ der BTI 1963–64 siehe Robinson, a. a. O., S. 45 und 51. Zurück zum Text
  2. 2
    Vgl. Till Florian Tömmel, Bonn, Jakarta und der Kalte Krieg. Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland gegenüber Indonesien von 1952 bis 1973, Berlin/Boston 2018, S. 242, Anm. 605. Zurück zum Text
  3. 3
    Final Report of the IPT 1965: Findings and Documents of the IPT 1965, Den Haag 2016 (tribunal1965.org) (Urteil verlesen am 20. Juli 2016 von Richter Zak Yacoob): Feststellungen, C1 j: „These acts were committed against a significant and substantial section of the Indonesian nation or ‚Indonesian national group,‘ a protected group as enumerated in the Genocide Convention, and were committed with the specific intent to annihilate or destroy that section in whole or in part.“ Die Formel „partial destruction of the Indonesian national group“ stammt aus dem Amicus-curiae-Schriftsatz von Daniel Feierstein und Irene Victoria Massimino (Universidad Nacional de Tres de Febrero, 11. November 2015), den der Bericht zitiert. Komnas HAM, Statement on the results of its investigation into grave violations of human rights during the events of 1965–1966, Juli 2012 (inoffizielle englische Übersetzung von TAPOL). Antwort der Bundesregierung, Deutscher Bundestag, Drucksache 18/1554, 27. Mai 2014, Antwort zu Frage 5: „Dieser seit den Prozessen von Nürnberg und Tokio bekannte Tatbestand wurde im Zuge der 1990er Jahre präzisiert. Die Bundesregierung sieht keinen aktuellen Anlass, seine Anwendbarkeit auf einen fast ein halbes Jahrhundert zurückliegenden Sachverhalt zu prüfen.“ Antwort der Bundesregierung, Deutscher Bundestag, Drucksache 20/5697, 17. Februar 2023, Antwort zu Frage 3: „Es obliegt nicht der Bundesregierung, durch politische oder rechtliche Äußerungen zu den Geschehnissen in Indonesien wissenschaftlich fundierten, zivilgesellschaftlichen, internationalen und insbesondere nationalen Aufarbeitungen vorzugreifen.“ Zurück zum Text
  4. 4
    Fernschreiben (verschlüsselt) Nr. 429 aus Djakarta, 4. Oktober 1965, citissime, an das Auswärtige Amt für den Bundesminister der Verteidigung, gez. Meyer (Militärattaché); Exemplar Nr. 2 (Referat I B 5) mit dem handschriftlichen Randvermerk „ENFIN!“. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 169 A, Scan A-474. Zurück zum Text
  5. 5
    Bericht des Militärattachés (Meyer) an den Bundesminister der Verteidigung, Fü B II 4, TgbNr 245/65, Djakarta, 8. Januar 1965, gesehen: Seeliger, „Anmerkung“ (Durchschlag für das Auswärtige Amt, eingegangen 16. Januar 1965). PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 169 A, Scans A-441–A-442. Zurück zum Text
  6. 6
    Bericht der Botschaft Nr. 51/65, Djakarta, 8. März 1965, S. 6, gez. Werz; Aufzeichnung Abteilung I (I B 5 - 81.10/92.16; VLR I Bassler, LR I Dr. Fröwis) für den Staatssekretär, 16. April 1965, gez. Meyer-Lindenberg, mit handschriftlichem Vermerk, paraphiert „Ca“ und datiert 1. Mai (höchstwahrscheinlich Staatssekretär Karl Carstens; Ministerbüro, eingegangen 3. Mai 1965). PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 169 A, Scans A-444, A-449, A-451, A-452; der Bericht ist als VS-Vertraulich eingestuft (in Bonn am 15. März 1965 auf VS-NfD herabgestuft) und trägt den Registraturstempel „Nr. 51/65 Geh-SV“ (A-444, A-449). Zu Carstens: Tim Szatkowski, Karl Carstens. Eine politische Biographie, Köln/Weimar/Wien: Böhlau, 2007, S. 26, 36. Wortlaut: „als zutreffend angesehen werde“. Zurück zum Text
  7. 7
    Bericht des Militärattachés (Meyer) an den Bundesminister der Verteidigung, Fü B II 4, Az 04-02-08-INS, TgbNr. 130/65, VS-NfD, „Stellung der Streitkräfte in der Innenpolitik“, gesehen: Werz, Djakarta, 18. Juni 1965, S. 3 (Durchschlag für das Auswärtige Amt). PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 176, Scans A-210–A-212, hier A-212. Wortlaut: „Auch hat bisher die KPI noch nicht den Fehler gemacht, ausserhalb der Legalität vorzugehen. Höhere indonesische Offiziere erklärten mir oft, daß die Streitkräfte nur auf diesen Augenblick warten, um zuschlagen zu können.“ Zurück zum Text
  8. 8
    Bericht der Botschaft Ber.Nr. 1190/65, Djakarta, 5. Oktober 1965, „Militärputsch in Indonesien“, S. 6 und 8. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 169 A, Scans A-481 und A-483. Zurück zum Text
  9. 9
    Fernschreiben (verschlüsselt) Nr. 454 aus Djakarta, 7. Oktober 1965, citissime, Militärattaché Meyer an den Bundesminister der Verteidigung (S II 4), Durchschrift an das Auswärtige Amt. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 169 A, Scan A-493. Zurück zum Text
  10. 10
    Bericht der Botschaft Ber.Nr. 1190/65, Djakarta, 5. Oktober 1965, „Militärputsch in Indonesien“, S. 5. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 169 A, Scan A-480 (Schlussseiten: A-481, A-483). Zurück zum Text
  11. 11
    Bericht der Botschaft Ber.Nr. 1376/65, Djakarta, 15. November 1965, VS-NfD, „Kommunistischer Staatsstreichversuch in Indonesien; Hintergrund des Putschs der ‚Bewegung des 3o. September‘“, S. 7. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 170, Scan B-48. Zurück zum Text
  12. 12
    Bericht der Botschaft Ber.Nr. 1237/65, Djakarta, 18. Oktober 1965, „Indonesien nach dem Umsturzversuch der ‚Bewegung des 3o. September‘; antikommunistisches Reformprogramm der Armee und beginnende Neugruppierung der politischen Kräfte Indonesiens“, S. 1. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 170, Scan B-79. Wortlaut: „Sie interpretiert es als den Auftrag, die umstürzlerische ‚Bewegung des 3o. September‘ (‚Gestapu‘) sowie deren Hintermänner und Sympathisierer zu liquidieren.“ In denselben Akten bedeutet „liquidiert“ Töten: Werz, Fernschreiben Nr. 532, 27. Oktober 1965 (Suwito über die nach dem Putsch gefundenen Listen), Scan A-301: „nach den gefundenen listen waeren dann viele tausende – auch er – liquidiert worden“; Ber.Nr. 1547/65, 23. Dezember 1965, im Konzept gez. Werz, Scan B-04: „Ein großer Teil der Verantwortlichen, besonders auf Seiten der PKI, ist bereits von der Armee liquidiert worden.“ Genannt werden Aidit, Lukman und Njoto. Zurück zum Text
  13. 13
    Bericht der Botschaft Ber.Nr. 1237/65, Djakarta, 18. Oktober 1965, S. 4. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 170, Scan B-82. Zurück zum Text
  14. 14
    Bericht der Botschaft Nr. 1214/65, Djakarta, 11. Oktober 1965, S. 5. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 170, Scan B-94. Wortlaut: „Moslemflugblätter rufen zum djihad, dem Heiligen Krieg gegen die atheistischen Kommunisten auf (vgl. Anlage)“; „Eine Massendemonstration jugendlicher Moslems […] endete am 8. Oktober mit dem Brand des PKI-Hauptquartiers“. Anlage: „Moslem-Flugblatt, verteilt in Djakarta am 8. Oktober 1965“, in englischer Übersetzung, sowie ein zweites Flugblatt, „An Appeal to the Hearts of the People“, Scans B-87, B-88; zitiert wie im Original: „Assist the Armed Forces eradicate wholly the executors of the 3o September Movement“; „Receive our holy-war greetings“; „Let us jointly destruct the atheists until their very roots“. Zurück zum Text
  15. 15
    Bericht der Botschaft Ber.Nr. 1376/65, Djakarta, 15. November 1965, VS-NfD, S. 8, gez. Werz. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 170, Scan B-49. Auf derselben Seite werden als Anlage Auszüge aus Vernehmungsprotokollen militärischer Putschführer angekündigt, die „aus besonderer Quelle“ eingegangen waren (Scans B-36–B-41). Wortlaut: „kann man wohl davon ausgehen, daß die planmäßige Dezimierung der kommunistischen Spitzenkader durch die Armee z.Zt. die Koordinierung kommunistischer Aktionen auf weiterer Ebene ausschließt“. Zurück zum Text
  16. 16
    Zum 15. November: Bericht der Botschaft Ber.Nr. 1376/65, Djakarta, 15. November 1965, VS-NfD, S. 1 und 7, mit der Anlage „Auszug aus dem Vernehmungsprotokoll des Ex-Oberstleutnants Untung“, S. 2. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 170, Scans B-42, B-48, B-41. Wortlaut: „Aus dem undurchsichtigen Wirrwarr der Gerüchte der ersten Wochen schälen sich mittlerweile jedoch nach Bekanntwerden erbeuteter kommunistischer Dokumente und von Aussagen militärischer Putschführer die Umrisse eines gigantischen kommunistischen Staatsstreichunternehmens heraus.“; „Es muß also jemand dahinter gestanden haben.“ Zum 6. Dezember: Bericht der Botschaft Ber.Nr. 1469/65, Djakarta, 6. Dezember 1965, VS-NfD, „Die Kommunistische Partei und der Umsturzversuch der ‚Bewegung des 3o. September‘“, Begleitbericht zu der „aus besonderer Quelle“ erhaltenen deutschen Übersetzung der Vernehmung Njonos. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 170, Scan B-24; Protokoll: Scans B-11–B-23. Zurück zum Text
  17. 17
    US-Botschaft Jakarta, Telegramm 971 an den Secretary of State, 12. Oktober 1965, secret, gez. Green. NARA, RG 84, Entry P 339, Jakarta Embassy Files, Box 4, Folder 7 („pol 23-9 rebellion. Coups. 30th September Movement 1965“); veröffentlicht vom National Security Archive, U.S. Embassy Tracked Indonesia Mass Murder 1965, 17. Oktober 2017, Dok. 4. Das Telegramm nennt den Botschaftsangehörigen nicht; sein Wortlaut: „According German Embassy officer, Indo Army is now considering possibility of overthrowing Sukarno himself and is approaching several Western Embassies to let them know that such a move is possible.“ Botschafter Werz hielt sich damals in Hongkong auf (6.–14. Oktober 1965), die Botschaft leitete der Geschäftsträger Heimsoeth: Fernschreiben Nr. 463 aus Djakarta, 7. Oktober 1965, citissime, St.S.-1655/65, gez. Heimsoeth; Drahterlass von Staatssekretär Carstens nach Hongkong, 7. Oktober 1965; Fernschreiben Nr. 55 aus Hongkong, 11. Oktober 1965. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 171, Scans A-421–A-423. Der Randvermerk „Es war an der Zeit!“ steht auf dem Fernschreiben aus Hongkong, das Werz’ Rückkehr ankündigt. Zurück zum Text
  18. 18
    Fernschreiben (verschlüsselt) Nr. 508 und Nr. 509 aus Djakarta, 19. Oktober 1965, Geheim, gez. Werz. PA AA, B 130 VS-REG, Bd. 2650, Scans A-320 bis A-323. Wortlaut: „die armee faehrt damit entschlossen mit ihrem programm der schrittweisen unterdrueckung der pki fort“; „nach wiederherstellung einer funktionierenden, von kommunisten gesaeuberten zentralgewalt will die armee offenbar an die saeuberung der einzelnen provinzen gehen“. Zurück zum Text
  19. 19
    Werz an Ministerialdirektor Prof. Dr. Meyer-Lindenberg, Auswärtiges Amt, Politische Abteilung I, Djakarta, 25. Oktober 1965, „Persönlich“, Durchschlag. PA AA, Nachlass Luitpold Werz, Bestellnr. 3, Scans A-257, A-260. Zurück zum Text
  20. 20
    Böker an Werz, „Persönlich und Vertraulich“, Bonn, 26. Oktober 1965, S. 2. PA AA, Nachlass Luitpold Werz, Bestellnr. 3, Scans A-261–A-262. Siehe auch Werz an Ministerialdirektor Meyer-Lindenberg, „Persönlich“, Djakarta, 25. Oktober 1965, ebd., Scans A-257 und A-260. Pistolengriffe: Referat I B 5 an Referat III A 6, 26. Oktober 1965, PA AA, B 57 REF. 405/IIIA4, Bd. 122, Scan A-115 (siehe Anm. 45). Zurück zum Text
  21. 21
    Werz an Ministerialdirigent Böker, „Persönlich und Vertraulich“, Djakarta, 8. November 1965 (Durchschlag). PA AA, Nachlass Luitpold Werz, Bestellnr. 3, Scans A-263–A-264. S. 2: „Ich bin zwar auch dafür, dass jede grössere Aktion, sei sie der Art, wie sie dem japanischen Botschafter offenbar vorschwebt, oder auch ein weiterer Rahmenkredit, erst stattfinden sollte, wenn die Lage sich weiter geklärt hat und die Indonesier uns darum bitten. Sonst aber plädiere ich für ‚business as usual‘.“ Zurück zum Text
  22. 22
    Fernschreiben (verschlüsselt) Nr. 593 aus Djakarta, 29. November 1965, eingegangen 10.40 Uhr, Arbeitsexemplar, im Anschluss an Nr. 578 vom 19. November, „innenpolitische situation“, gez. Werz, S. 3. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 170, Scans B-25–B-27, hier B-27. Dasselbe Fernschreiben meldet Aidits Gefangennahme und Erschießung. Wortlaut: „moeglicherweise ist dieses vorgehen sukarno im augenblick gar nicht unlieb, da es ihn der versprochenen unangenehmen ‚politischen endloesung‘ enthebt und er sich spaeter von diesen militaermassnahmen distanzieren kann.“ Dieselbe Wendung gebrauchte die Botschaft für die von Sukarno versprochene Regelung am 15. November 1965 (Ber.Nr. 1376/65, S. 8, gez. Werz, Scan B-49: „von der durch Sukarno versprochenen ‚politischen Endlösung der Affaire des 3o. September‘ abhängen“) und am 23. Dezember 1965 (Ber.Nr. 1547/65, „Errichtung eines militärischen Sondergerichts zur Aburteilung der Putschbewegung ‚3o. September‘“, S. 2, im Konzept gez. Werz, PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 170, Scans B-07, B-04: „Er bezeichnete ihn als seine Idee und ersten Schritt der von ihm in Aussicht gestellten ‚politischen Endlösung‘ der Putschaffäre.“ Auf derselben Seite: „Ein großer Teil der Verantwortlichen, besonders auf Seiten der PKI, ist bereits von der Armee liquidiert worden.“). Zurück zum Text
  23. 23
    Vermerk Referat I B 5, I B 5 - 3367/65 VSV, VS-Vertraulich, Bonn, 15. Oktober 1965, gez. Bassler, auf S. 3 des Drahtberichts Paris (NATO) Nr. 1402 vom 14. Oktober 1965. PA AA, B 130 VS-REG, Bd. 2585, Scan A-303 (Fernschreiben: Scans A-298–A-300). Zurück zum Text
  24. 24
    Meldungen des dpa-Korrespondenten (Dr. Ulrich Grudinski), über den Fernschreiber der Botschaft übermittelt: Fernschreiben (offen) Nr. 446 aus Djakarta, 5. Oktober 1965, und Nr. 448, 6. Oktober 1965, cito, jeweils von Heimsoeth weitergeleitet und zur Vorlage beim Staatssekretär bestimmt. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 169 A, Scans A-484–A-486 und A-490–A-492, Zitate A-491. Zur Entscheidung, die Meldungen über die Botschaft übermitteln zu lassen, sofern sie verschlüsselt würden: Vorlage Referat I B 5, 6. Oktober 1965, gez. Bassler, ebd., Scan A-487; PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 171, Scan A-418. Zurück zum Text
  25. 25
    Vorlage des Pressereferats (L 4 - 84.52/92.16) für den Staatssekretär, „Übermittlung von dpa-Meldungen durch die Botschaft Djakarta“, Bonn, 6. Oktober 1965, gez. Kastl. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 169 A, Scans A-488, A-489. Zurück zum Text
  26. 26
    Bericht der Botschaft Nr. 1407/65, „Ungelöste Probleme Indonesiens und die politische Zukunft der Armee“, Djakarta, 22. November 1965, S. 3. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 170, Scans B-28 bis B-30. Zurück zum Text
  27. 27
    Fernschreiben Nr. 629 aus Djakarta, 30. Dezember 1965, „auch für bpa“, gez. Werz. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 170, Scan B-06. Zurück zum Text
  28. 28
    Kurzprotokoll des ersten Teils der Hausbesprechung „Aktionsprogramm Indonesien“ vom 22. Dezember 1964, I B 5 - 82.00/92.16, Bonn, 7. Januar 1965. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 171, Scans A-398–A-403. Zurück zum Text
  29. 29
    Interview mit Baskara T. Wardaya, Historiker an der Sanata-Dharma-Universität, Yogyakarta, für unseren Dokumentarfilm; Zitat nach den englischen Untertiteln des Films, 00:12:48–00:13:06. Zurück zum Text
  30. 30
    Kurzprotokoll der Hausbesprechung „Aktionsprogramm Indonesien“, 22. Dezember 1964, S. 3 und 6. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 171, Scans A-400, A-403. Zurück zum Text
  31. 31
    Kurzprotokoll „Zweiter Teil der Hausbesprechung ‚Aktionsprogramm Indonesien‘“ (Sitzung vom 11. Januar 1965), Bonn, 4. März 1965. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 171, Scan A-405. Zurück zum Text
  32. 32
    Aufzeichnung Abteilung I (I B 5 - 82.00-92.16/436/67 VS-V; VLR I Bassler) für den Staatssekretär, „Veröffentlichung eines angeblichen Geheimberichts der Deutschen Botschaft Djakarta“, Bonn, 27. Februar 1967, VS-Vertraulich, gez. i.V. Alexander Böker. PA AA, B 130 VS-REG, Bd. 2586 A, Scans A-434, A-435. Zurück zum Text
  33. 33
    Siehe Anm. 4, 10–14 (Fernschreiben und Berichte der Botschaft aus den ersten Wochen) und Anm. 17 (US-Telegramm 971 vom 12. Oktober 1965). Die Antwort der Bundesregierung von 2014 verweist auf diese Akten, ohne sie zu bewerten: Deutscher Bundestag, Drucksache 18/1554, 27. Mai 2014: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Andrej Hunko, Jan van Aken, Sevim Dağdelen, Annette Groth, Alexander S. Neu und der Fraktion DIE LINKE, „Aufarbeitung der Massaker von 1965/1966 in Indonesien, der deutschen Rolle und deren Auswirkungen auf die bilateralen Beziehungen“, Drucksache 18/1377, 6. Mai 2014 (19 Fragen). Antwort zu Frage 9: „Die Reaktion der Bundesrepublik Deutschland auf den Putschversuch vom 1. Oktober 1965 wurde wesentlich von den Rahmenbedingungen des Kalten Kriegs bestimmt. Eine Analyse der Reaktion der damaligen Bundesregierung bleibt aus Sicht der Bundesregierung der wissenschaftlichen historischen Forschung überlassen. Entsprechende Akten im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts sind gemäß den gesetzlichen Bestimmungen zugänglich.“ Zurück zum Text
  34. 34
    Referat I B 5 (VLR I Bassler) an Referat III B 7, I B 5 - 82.50-92.16, VS-NfD, Bonn, 3. Dezember 1965, „Ausfuhr von 3 Zollbooten nach Indonesien im Rahmen des 100 Mio DM Hermes-Sonderplafonds 1965“, gez. Bassler. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 173, Scan A-112; Doppel in PA AA, B 57 REF. 405/IIIA4, Bd. 122, Scan A-117. Der Vermerk bezieht sich auf die Aufzeichnung des Referats I B 5 vom 30. September 1965 und auf den Bericht der Botschaft Kuala Lumpur Nr. 152 vom 2. Dezember 1965. Wortlaut: „rechtlich zulässig und politisch gegenüber Grossbritannien vertretbar“; „Nachdem die indonesischen Streitkräfte die kommunistische Partei systematisch vernichten und bereits Kontakte mit der Regierung von Malaysia aufgenommen haben (Bericht der Botschaft Kuala Lumpur No.152 vom 2.12.65), kann angenommen werden, dass im Zuge der politischen Veränderungen in Indonesien mit einem Abklingen der Spannung zwischen Indonesien und Malaysia zu rechnen sein wird.“; „unbewaffnet“; „Nach Ansicht von Referat I B 5 sollte daher dem Geschäftsabschluss zugestimmt werden.“ Zurück zum Text
  35. 35
    Ergebnisvermerk über die Ressortbesprechung am 13. Mai 1965 (Betr.: Botschaftsbericht Djakarta Nr. 473/65 vom 20.4.1965). PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 173, Scan A-082. Wortlaut: „Außerdem würde durch Aufnahme dieses Projektes in den Plafond die 100 Mio DM-Grenze wesentlich überschritten“. Zurück zum Text
  36. 36
    Gerhard Schröder, Bundesminister des Auswärtigen, an Kurt Schmücker, Bundesminister für Wirtschaft, Schreiben, Auswärtiges Amt III B 7 - 87 SPT-01-92.16, Bonn, 14. Januar 1965, gez. Schröder: Vorschlag, „der auf rein politischen Erwägungen fusst“. Bundesarchiv Koblenz, B 102/200953 (Scans K-28–K-29). Zum Kabinettsbeschluss vom 18. Januar 1965: Drahterlass an die Botschaft in Djakarta, 19. Januar 1965, citissime, III B 7 - 87 SPT-01-92.16, gez. Pauls, PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 173, Scan A-048; Sprachregelung an die Auslandsvertretungen (Plurex, citissime, gez. Pauls), ebd., Scan A-052. Wortlaut (A-052): „ein langfristiger Sonderplafond für Bundesgarantien in Höhe von 100 Mio DM“; der Begriff „Hermes-Sonderplafond“ steht im Betreff der Aufzeichnung vom 3. Dezember 1965 (vgl. Anm. 34). Zurück zum Text
  37. 37
    Vermerk des Referats L 1, Bundesministerium für Wirtschaft, Bonn, 17. März 1965 (Gesamtengagement rund 500 Millionen DM; Verteidigungsausgaben 40–45 Prozent des Haushalts; der Plafond beschlossen „unter der Drohung, ein sowjetzonales Generalkonsulat zuzulassen“), Bundesarchiv Koblenz, B 102/186913 (Scans K-03–K-04); Staatssekretär Langer an den Leiter der Abteilung V, „Heutige Kabinettssitzung“, 17. März 1965, VS-NfD, ebd. (Scan K-02). Wortlaut: „die auch von Herrn Bundeskanzler sehr deutlich gesehen wurden“; „Die Verteidigungsausgaben belaufen sich auf 40 – 45 % des Haushalts.“; „Aus wirtschaftlichen Gründen ist eine weitere finanzielle Hilfeleistung gegenüber Indonesien nicht zu vertreten.“; „Das Auswärtige Amt befürwortet diesen Antrag.“ Zurück zum Text
  38. 38
    „Gesprächsaufzeichnung für die Unterhaltung des Herrn Ministers mit General Sukendro“, Anlage zur Aufzeichnung der Abteilung I (Meyer-Lindenberg), I B 5 - 81.21.-92.16, Bonn, 24. November 1965. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 172, Scans A-342–A-344 (Begleitvermerk: A-347). Zurück zum Text
  39. 39
    Fernschreiben (verschlüsselt) Nr. 341 von Staatssekretär Carstens an die Botschaft in Djakarta, St.S.-2775/65 VS-Vertr., VS-Vertraulich, 27. November 1965. PA AA, B 130-BStS (VS-Registratur Büro Staatssekretäre), Bd. 424, Scans A-286–A-287. Wortlaut: „Herr Sukendro legte dar, dass der Armeeführung schon Anfang September Pläne für die Ermordung von acht Generalen bekannt geworden seien, dass man diese Informationen aber als Provokation betrachtet und daher nicht ernst genommen habe.“; „Der tragische Tod der sechs Generale, die seine engen Freunde gewesen seien, habe den nichtkommunistischen Kräften die Gelegenheit zum Handeln gegeben.“ Zurück zum Text
  40. 40
    Runderlass Außenwirtschaft Nr. 32/68 des Bundesministers für Wirtschaft, V C 3 - 965 718/27, 10. Juli 1968, „Indonesien; Abkommen über Kapitalhilfe vom 17. Mai 1968“, mit dem Text des am 17. Mai 1968 in Djakarta von Botschafter H. Bassler und Außenminister Adam Malik unterzeichneten Abkommens. PA AA, B 57 REF. 405/IIIA4, Bd. 104, Scans A-021–A-026. Zurück zum Text
  41. 41
    Werz zur Armee: Kurzprotokoll der Hausbesprechung vom 22. Dezember 1964, Bonn, 7. Januar 1965, PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 171, Scan A-400. Hermes-Bürgschaften für kleinere Beträge ausgesetzt: Werz an Böker, Djakarta, 8. November 1965, PA AA, Nachlass Luitpold Werz, Bestellnr. 3, Scans A-263–A-264. Normalisierung: Gesprächsunterlage für die Unterredung des Ministers mit Sukendro, 24. November 1965, PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 172, Scans A-343–A-344. Bitte vom 10. Dezember 1965: Fernschreiben aus Djakarta Nr. 608, 10. Dezember 1965, abgedruckt in: Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland 1965, Bd. III, München: Oldenbourg, 1996, S. 1877 f., zitiert in: Deutscher Bundestag, Drucksache 20/5697, 17. Februar 2023, Vorbemerkung der Fragesteller; das Fernschreiben wird, gestrichen, in PA AA, B 57 REF. 405/IIIA4, Bd. 122, Scan A-122 zitiert. Die US-Akten nennen den Beamten: Helmi, Nordamerika-Direktor des indonesischen Außenministeriums, der „on behalf of the Army“ handelte; demnach besprachen der deutsche und der japanische Botschafter seine Bitten mit der US-Botschaft: Department of State an Botschaft Djakarta, Telegramm 777, 16. Dezember 1965, Foreign Relations of the United States 1964–1968, Bd. XXVI, Dok. 184; dort heißt es auch, die „campaign to destroy PKI is moving fairly swiftly and smoothly“. BND-Bitte vom 8. November 1965: Jonas Mueller-Töwe, „Operation Föhrenwald: Der Genozid und Deutschlands heimliche Hilfe“, t-online, 13. Juli 2020 (BND-Akten; Überschrift wie zitiert in Drucksache 19/21639, heute online als „Genozid in Indonesien: Deutschlands heimliche Hilfe“). Wessel: Entwurf eines Vortrags vor dem Vertrauensgremium des Bundestages, 21. Juni 1968, zitiert in: Matthias Ritzi/Erich Schmidt-Eenboom, Im Schatten des Dritten Reiches. Der BND und sein Agent Richard Christmann, Berlin: Ch. Links, 2011, ebenfalls zitiert in: Deutscher Bundestag, Drucksache 20/5323, 20. Januar 2023, Vorbemerkung; Wortlaut: „Im Oktober 1965 bereits bestehende enge Verbindungen zum indonesischen strategischen ND ermöglichten Unterstützung (Berater, Geräte, Geld) des indonesischen ND und militärischer Sonderorgane bei Zerschlagung der KPI (und Entmachtung Sukarnos – Steuerung und Unterstützung von Demonstrationen).“ „Nach Ansicht indonesischer Politiker und Militärs (Suharto, Nasution, Sultan) großer Anteil BND am Erfolg.“ Späteres Geld: Aufzeichnung über die Gespräche Erhard–Johnson, 27. September 1966, AAPD 1966, Dok. 302, Anm. 10 (Kredit über 50 Millionen DM, Umschuldung); Kapitalhilfeabkommen vom 17. Mai 1968, PA AA, B 57 REF. 405/IIIA4, Bd. 104, Scans A-021–A-026 (bis zu 75 Millionen DM); deutsch-französische Konsultationen, Paris, 7. Januar 1969, ebd., Scans A-029–A-030; Wortlaut: „Bundesrepublik leistet z.Zt. 100 Mio DM Kapitalhilfe“; „Politisch gesehen hat Bundesrepublik alles Interesse, die derzeitige indonesische Regierung zu stützen.“ Zweck und Risiko der Bitte um 1,2 Millionen DM (Mueller-Töwe, a. a. O.): „hauptsächlich für Sonderaktionen gegen KP-Funktionäre und zur Durchführung von gesteuerten Demonstrationen benötigt“; „Eine etwaige Hilfe in der vorgesehenen Art könnte jedoch – bei Bekanntwerden – sowohl für den Geldgeber wie auch für den Empfänger kaum übersehbare Folgen haben.“ Der Spiegel 11/1971 und 23/1971, zitiert in: Deutscher Bundestag, Drucksache 20/5323, 20. Januar 2023, Vorbemerkung: „Indonesiens militärischen Nachrichtendienst 1965 mit Maschinenpistolen, Funkgeräten und Geld (Gesamtwert: 300 000 Mark) bei der Niederwerfung eines Links-Putsches in Djakarta“; „Ein Kommando von BND-Männern bildete in Indonesien militärische Geheimdienster [sic] aus und löste die von der antiamerikanischen Propaganda hart bedrängten Kollegen von der CIA ab.“ Zurück zum Text
  42. 42
    Aktenvermerk „Besprechung mit Dr. Chairul Saleh“, Djakarta, 27. Januar 1965, gez. Berninger, S. 4, Anlage zum Bericht der Botschaft Ber.Nr. 112/65 vom 5. Februar 1965. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 173, Scans A-060–A-066, hier A-064. Zurück zum Text
  43. 43
    Vermerk Referat III B 7, III B 7 - 87 SPT-01-92.16, VS-NfD, Bonn, 26. November 1965, gez. Schoettle. PA AA, B 57 REF. 405/IIIA4, Bd. 122, Scan A-118. Zurück zum Text
  44. 44
    Fritz Werner Industrie-Ausrüstungen GmbH an den Bundesminister für Wirtschaft, Antrag nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz, Geisenheim, 18. März 1968, mit Anlagen. PA AA, B 57 REF. 405/IIIA4, Bd. 122, Scans A-140–A-143; Zustimmung des Auswärtigen Amts vom 5. April 1968 (gez. von Soden) und Genehmigung IV B 5 - 0 - 207/68 vom 17. April 1968: Scans A-144–A-147. Zurück zum Text
  45. 45
    Referat I B 5 an Referat III A 6, IB5-84.00-92.16, Bonn, 26. Oktober 1965, „Ausfuhr von Pistolengriffen nach Indonesien“. PA AA, B 57 REF. 405/IIIA4, Bd. 122, Scan A-115. Zurück zum Text
  46. 46
    Referat I B 5 an Referat III A 6, „Ausfuhr von Schwimmwesten nach Indonesien“, Bonn, 11. November 1965 (I B 5 - 82.50-92.16). PA AA, B 57 REF. 405/IIIA4, Bd. 122, Scan A-116. Zurück zum Text
  47. 47
    Bundesminister für Wirtschaft an das Auswärtige Amt, IV B 5 - 10 17 83, 12. November 1968; Zustimmung des Auswärtigen Amts, 19. November 1968, gez. v. Soden. PA AA, B 57 REF. 405/IIIA4, Bd. 122, Scans A-151–A-152. Zurück zum Text
  48. 48
    Vermerk Referat I B 5, Dr. Fröwis an VLR I Bassler, „Waffenlieferungen nach Indonesien“, Bonn, 20. Dezember 1965. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 176, Scans A-232, A-230, A-231, A-233 (nicht in der Reihenfolge fotografiert). Zurück zum Text
  49. 49
    Aufzeichnung des Leiters der Abteilung III, III A 4 - 81.30/1 - 92.16, Bonn, 28. Januar 1966, „Ausfuhr von Sprengstoffanlagen nach Indonesien“, an den Staatssekretär. PA AA, B 57 REF. 405/IIIA4, Bd. 122, Scans A-124–A-125; Wortlaut: „Da die Armee sich in Indonesien weitgehend gegen die Kommunisten durchgesetzt hat“; „gegenwärtig noch nicht beigelegte Malaysia-Konflikt“; Empfehlung des Referats I B 5, 14. Dezember 1965, Scans A-122–A-123 (ihr ursprünglicher Verweis auf den Vermerk des Referats III B 7 vom 26. November 1965 über die Sprengstofffabrik von Fritz Werner, Scan A-118, wurde später gestrichen: „Auf die im Vermerk des Referats III B 7 enthaltenen Ausführungen vom 26. 11. wird Bezug genommen.“; der tschechische Konkurrent erscheint in beiden Schriftstücken); technische Daten der Ferrostaal, 14. Juli 1965, Scan A-136; Zurückstellung durch Referat I B 5, 22. Februar 1966 („etwa in zwei Monaten erneut aufzugreifen“), Scan A-128. Zurück zum Text
  50. 50
    Referat I B 5 an Referat III A 4, „Ausfuhr von Sprengstoffanlagen nach Indonesien“, Bonn, 22. Februar 1966, mit Randvermerk von Middelmann vom 24. Februar 1966. PA AA, B 57 REF. 405/IIIA4, Bd. 122, Scan A-128. Wortlaut: „Im Hinblick auf die neuerliche innenpolitische Entwicklung in Indonesien und die Möglichkeit, dass mit einer baldigen Beendigung des Malaysia-Konflikts deshalb noch nicht gerechnet werden kann, werden Ausfuhrgenehmigungen zur Zeit noch nicht erteilt werden.“ Zurück zum Text
  51. 51
    Rheinstahl Hanomag AG an das Bundesministerium der Verteidigung, 1. Februar 1966; Auswärtiges Amt (III A 4 - 81.30/1-92.16) an das Bundesministerium der Verteidigung, 8. Juli 1966, gez. Middelmann. PA AA, B 57 REF. 405/IIIA4, Bd. 122, Scans A-131–A-132. Wortlaut: „in erster Linie Jagdpanzer KANONE“. Zurück zum Text
  52. 52
    Bundesminister für Wirtschaft an das Auswärtige Amt, IV B 1 - 10 16 84, 30. Juni 1966; Referat I B 5 (VLR I Bassler) an Referat III A 4, 4. Juli 1966; Auswärtiges Amt an das BMWi, 7. Juli 1966 (abgesandt am 8. Juli), gez. v. Soden. PA AA, B 57 REF. 405/IIIA4, Bd. 122, Scans A-133–A-135. Zurück zum Text
  53. 53
    Bundesamt für gewerbliche Wirtschaft an das Auswärtige Amt (Referat III A 4), Az. 1457, Tgb.Nr. 25/249/68, Frankfurt, 1. April 1968, gez. Meyhack (eingegangen 3. April 1968): 42.000 verschiedene Teile für das Gewehr BM 59, Wert 3.791.730 DM (die 7 im Original über eine 3 getippt), Käufer und Endempfänger „Minister Commander in Chief of the Indonesian Army“, kein Nachweis über den endgültigen Verbleib vorgelegt; handschriftlich „Kein Bedenken“, 5. April. PA AA, B 57 REF. 405/IIIA4, Bd. 122, Scan A-145. Zurück zum Text
  54. 54
    Bundesminister für Wirtschaft an das Auswärtige Amt, IV B 5 - 1o 17 83, Schnellbrief, 24. Juni 1968, mit handschriftlichem Vermerk des Referats I B 5, und Zustimmung des Auswärtigen Amts vom 27. Juni 1968 (10.000 G3); BMWi, 14. November 1968, und Zustimmung des Auswärtigen Amts vom 21. November 1968 (20.000 G3; handschriftlich „Wert rd. 7 Mio DM“). PA AA, B 57 REF. 405/IIIA4, Bd. 122, Scans A-149–A-150 und A-153–A-154. Zurück zum Text
  55. 55
    Handschriftlicher Vermerk auf dem Schnellbrief des BMWi vom 24. Juni 1968, PA AA, B 57 REF. 405/IIIA4, Bd. 122, Scan A-149. Wortlaut: „1960/61 lieferte Rheinmetall 10.000 Gewehre an Indonesien lt. Mitt. d. BMWi“. Zu den G3-Mustern: Auswärtiges Amt (III A 6 - 87.40) an das Bundesministerium für Verteidigung, 1. Juli 1963, gez. Klarenaar, „Ausfuhrantrag der Fa. Rheinmetall GmbH., Düsseldorf, auf Lieferung von zwei Gewehren ‚G 3‘ als Mustersendung nach Indonesien“, PA AA, B 57 REF. 405/IIIA4, Bd. 104, Scans A-003–A-004. Zurück zum Text
  56. 56
    Bericht der Botschaft Ber.Nr. 1377/65, Djakarta, 15. November 1965, „Neuer Armeestab der indonesischen Streitkräfte“, S. 3. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 176, Scans A-213–A-215, hier A-215. Zurück zum Text
  57. 57
    Protokoll der deutsch-französischen Konsultation der Politischen Direktoren, Paris, 7. Januar 1969, Abschnitt „4.) Indonesien“, übersandt von Referat I A 1 (I A 1-80.11/3 VS-NfD) am 13. Februar 1969. PA AA, B 57 REF. 405/IIIA4, Bd. 104, Scans A-027–A-031, hier A-030–A-031. Zurück zum Text
  58. 58
    Fernschreiben (verschlüsselt) Nr. 82 aus Djakarta, 2. März 1965, gez. Werz, „tjakrabirawa-regiment“ (Reisekosten von drei Offizieren des Garderegiments Sukarnos), mit handschriftlichem Vermerk „Reisekosten werden übernommen“. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 176, Scan A-207. Zurück zum Text
  59. 59
    Fernschreiben (verschlüsselt) Nr. 460 aus Djakarta, 11. Oktober 1967 (aufgegeben und eingegangen am 12. Oktober 1967), Geheim, „nachrichtendienstliche zusammenarbeit mit indonesischen heeresstellen“, gez. Luedde-Neurath. PA AA, B 130 VS-REG, Bd. 903, Scans A-290–A-291. Wortlaut: „militaerattache hat … ausbildung indonesischer nachrichtenoffiziere beim bnd und zusammenarbeit bzw. nachrichtenaustausch ueber kommunismus befuerwortet“; „als angehoeriger einer besonderen nachrichteneinheit der siliwangidivision im auftrag der generale umar wiranadikusumah und brig. gen. taswin in der brd und holland die taetigkeit von widerstandgruppen gegen den amtierenden staatspraesidenten general suharto untersuchen solle“; „gegen zusammenarbeit und ausbildungshilfe duerfte seitens der botschaft djakarta nichts einzuwenden sein, sofern die empfangende stelle der zentrale indonesische nachrichtendienst ist“; „zu politischem aerger fuehren kann“. Zurück zum Text
  60. 60
    Bundesminister des Innern (ÖS I 2 - 619 800/1 VS-Vertr.) an den Bundesminister der Verteidigung, Durchschrift an das Auswärtige Amt, 10. Oktober 1967, VS-Vertraulich, gez. v. Lersner. PA AA, B 130 VS-REG, Bd. 2586 A, Scan A-433. Zurück zum Text
  61. 61
    In Indonesien für unseren Dokumentarfilm geführte Interviews; die Zitate folgen den englischen Untertiteln des Films. Zu den Interviewten gehören der Überlebende und Folteropfer Bedjo Untung (geb. 1948 in Pemalang, Zentraljava; 1970 verhaftet, bis 1979 ohne Prozess inhaftiert, unter anderem im Salemba-Gefängnis in Jakarta), zwei Überlebende von Vergewaltigungen, eine von ihnen Frau Saenah, der zum Tragen von Leichen gezwungene Martono sowie der als „Burhan Kampak“ bekannte Täter. Timecodes: Massengrab, 00:00:04–00:00:33. Bei 00:00:33 lautet der Untertitel „Many of them were beheaded bodies“; der Sprecher sagt „Ada yang sudah putus. Banyaklah pokoknya“ (manche waren schon zerstückelt; es waren viele), und das Zitat folgt seinen Worten. Zurück zum Text
  62. 62
    Interview für unseren Dokumentarfilm, gedreht in Indonesien; Zitat nach den englischen Untertiteln des Films. Timecodes: Bedjo Untung, 00:01:04–00:02:26. Zurück zum Text
  63. 63
    Interview für unseren Dokumentarfilm, gedreht in Indonesien; Zitat nach den englischen Untertiteln des Films. Timecodes: Überlebende einer Vergewaltigung, 00:04:21–00:04:48 (bei 00:04:36 fügt der Untertitel „taking hold of both of my feet“ hinzu; sie sagt „Sedangkan saya sendiri dipegangi, dicengkeram“, und das Zitat folgt ihren Worten); Frau Saenah, 00:28:53–00:30:16. Zurück zum Text
  64. 64
    Interview für unseren Dokumentarfilm, gedreht in Indonesien; Zitat nach den englischen Untertiteln des Films. Timecodes: Martono, 00:17:20–00:18:26; Leichen im Fluss, 00:16:39–00:17:13. Zurück zum Text
  65. 65
    Interview für unseren Dokumentarfilm, gedreht in Indonesien; Zitat nach den englischen Untertiteln des Films. Timecodes: 00:24:52–00:25:18. Zurück zum Text
  66. 66
    Interview für unseren Dokumentarfilm, gedreht in Indonesien; Zitat nach den englischen Untertiteln des Films. Timecodes: Burhan Kampak, 00:06:59–00:08:02; weitere Täterzitate: 00:23:43–00:23:57, 00:24:01–00:24:12, 00:34:06–00:34:20; der Gründer der FAKI, der Antikommunistischen Front Indonesiens, 00:41:03–00:41:50. Zwei Sätze sind direkt aus dem indonesischen Original übersetzt, weil die englischen Untertitel sie frei wiedergeben: „lainnya sudah selesai semua“ (überall sonst war alles vorbei; untertitelt „I mean, the extermination“) und „mati kamu atau mati saya“ (du stirbst oder ich sterbe; untertitelt „I just had to do it“). Zurück zum Text
  67. 67
    Interview für unseren Dokumentarfilm, gedreht in Indonesien; Zitat nach den englischen Untertiteln des Films. Timecodes: Bedjo Untung, Salemba, 00:34:31–00:35:44. Zurück zum Text
  68. 68
    Bericht des Militärattachés (Meyer) an den Bundesminister der Verteidigung, TgbNr. 207/65, Djakarta, 25. Oktober 1965, gesehen: Werz (Durchschlag für das Auswärtige Amt, eingegangen 4. November 1965). PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 170, Scans B-68–B-70. Zurück zum Text
  69. 69
    Fernschreiben (verschlüsselt) Nr. 539 aus Djakarta, 29. Oktober 1965, Arbeitsexemplar, Meldung des dpa-Korrespondenten (Deckbezeichnung „der bekannte Gewährsmann“), von Werz „ohne eigene stellungnahme“ weitergeleitet. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 170, Scans B-61–B-62; zur Deckbezeichnung: Vermerk vom 15. Oktober 1965, ebd., Scan B-86. Wortlaut: „wo kommunisten seit 16. oktober – 17 tage nach ihrem erfolglosen linksputsch – mindestens 150 menschen ermordeten und in massengraebern verscharrt haben“; „brandkommandos der verbotenen pki einaescherten 1500 haeuser der stadt balikpapan in nordborneo. 21 menschen wurden dabei getoetet“; „die kommunistischen bluttaten werden vielerorts mit weissen gegenterror beantwortet, so in nordsumatra wo mindestens 500 kommunisten von aufgebrachter menge getoetet wurden“. BND-Bericht vom 3. November 1965, Betreff „Föhrenwald“, zitiert in: Mueller-Töwe, t-online, 13. Juli 2020 (siehe Anm. 41); Wortlaut: „Auf Mittel- und Ostjava erfolgte zunächst ein regelrechtes Abschlachten von Kommunisten, in erster Linie durch fanatische Moslems.“; „Die vielen antikommunistischen Aktionen (…) sind selbstverständlich von der Armeeführung sorgfältig vorbereitet“. Zurück zum Text
  70. 70
    Fernschreiben (verschlüsselt) Nr. 593 aus Djakarta, 29. November 1965, gez. Werz, S. 2. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 170, Scans B-25–B-27, hier B-26. Wortlaut: „nach einer vertraulichen information von armeeseite ist pki-chef aidit am 21. november bei solo in mitteljava vom militaer gefasst und am folgenden tag erschossen worden“. Zurück zum Text
  71. 71
    Bericht der Botschaft Ber.Nr. 1518/65, Djakarta, 14. Dezember 1965, gez. Werz (Unterschrift wie auf dem Kapitalhilfeabkommen vom 17. Juli 1965, Scan A-092), VS-NfD, „Verluste der indonesischen Bevölkerung seit 1. Oktober d.J.“. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 170, Scans B-08–B-10. Zurück zum Text
  72. 72
    Bericht der Botschaft Ber.Nr. 1518/65, Djakarta, 14. Dezember 1965, VS-NfD, „Verluste der indonesischen Bevölkerung seit 1. Oktober d.J.“, S. 2. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 170, Scan B-09. Zurück zum Text
  73. 73
    Bericht der Botschaft Ber.Nr. 1518/65, Djakarta, 14. Dezember 1965, VS-NfD, „Verluste der indonesischen Bevölkerung seit 1. Oktober d.J.“, S. 3. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 170, Scan B-10. Zurück zum Text
  74. 74
    Bericht der Botschaft Ber.Nr. 1546/65, Djakarta, 23. Dezember 1965, „Auseinandersetzung um die Chinapolitik“, S. 3. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 175, Scans A-249–A-252, hier A-251. Zurück zum Text
  75. 75
    Aufzeichnung Büro Staatssekretär, St.S.-2184/65, Bonn, 17. Dezember 1965, „Situation in Indonesien“ (Auszug aus einem Privatbrief des politischen Referenten der Botschaft vom 7. Dezember 1965). PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 172, Scans A-346 und A-338. Zurück zum Text
  76. 76
    Fernschreiben (verschlüsselt) Nr. 59 aus Djakarta, 21. Februar 1966 (eingegangen 22. Februar), Geheim, „innere lage indonesiens“, gez. Werz, S. 2 (Darstellung eines der Armee nahestehenden indonesischen Informanten). PA AA, B 130 VS-REG, Bd. 2650 (altes Geheimarchiv Bd. 558), Scans A-327–A-331, hier A-329 (eine weitere Aufnahme derselben Seite, bei der ein Papierstreifen einen Teil des Textes verdeckt: A-328); Kommentar des Botschafters auf S. 3: Scan A-330. Zurück zum Text
  77. 77
    Deutscher Bundestag, Drucksache 18/1554, 27. Mai 2014, Antwort der Bundesregierung auf Frage 3 der Kleinen Anfrage, Drucksache 18/1377: „keine genauen Erkenntnisse über die tatsächliche Anzahl der im Zusammenhang mit den Ereignissen in Indonesien in den Jahren 1965 bis 1966 begangenen Verbrechen und deren Opfern“. Frage 3 lautete: „Wie viele Menschen fielen nach Kenntnis der Bundesregierung den Massakern zum Opfer?“ Zurück zum Text
  78. 78
    Parteieintrittsdaten und Mitgliedsnummern nach den NSDAP-Mitgliederkarteien im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde, R 9361-VIII KARTEI und R 9361-IX KARTEI (Mikrofilm: NARA, RG 242, A3340, MFKL und MFOK): Mirbach, R 9361-IX KARTEI/28760960 (das Braunbuch nennt die Nummer 2.731.405); Allardt, R 9361-IX KARTEI/340342; Luedde-Neurath, R 9361-IX KARTEI/26650437 (Aufnahmeantrag vom 20. Juni 1937, aufgenommen mit Wirkung vom 1. Mai 1937). Die Nummern von Werz und Luedde-Neurath finden sich auch im Braunbuch, 3. Aufl. 1968, Namenliste, S. 366 und 351. Weiz: Bernd Isphording, Gerhard Keiper, Martin Kröger (Hg.), Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871–1945, Bd. 5: T–Z, Nachträge, Paderborn: Schöningh, 2014, S. 221–222; seine Bewerbungen bei der SS und, 1934, bei der Gestapo sowie seine SA-Mitgliedschaft seit 1933: Braunbuch, 3. Aufl. 1968, Namenliste, S. 365. Bassler: Braunbuch, 3. Aufl. 1968, S. 323–324, und Namenliste, S. 336 („Legationssekretär im Ribbentrop-Ministerium; Verantwortlicher für die nazistische Propaganda in Ostasien (Abteilung P VIII); Vertrauensmann der Gestapo und des SD“). Für Weiz wurde keine Mitgliedsnummer veröffentlicht, für Bassler ist keine Parteimitgliedschaft belegt. Zu Werz’ Parteimitgliedschaft seit 1934 siehe auch die hauseigene Akte des Auswärtigen Amts vom 18. Juni 1965, PA AA, B 130 VS-REG, Bd. 2586 A, Scan A-428, die seine Tätigkeit in der Abteilung Inland auf Februar und März 1945 datiert („In der Abteilung Inland des Aussenministeriums war er von Februar bis März 1945 tätig“). Zurück zum Text
  79. 79
    Zu von Hentig siehe seine Memoiren, Mein Leben, eine Dienstreise, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1962; sein Schreiben an das Auswärtige Amt vom 8. April 1942 über die Folgen des Mordes an den Juden auf der Krim („Schlächterei“, „Judenermordungen“) ist abgedruckt in: Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945, Bd. 7, Dok. 156. Eine NSDAP-Mitgliedschaft ist für ihn nicht belegt, im Braunbuch taucht er nicht auf. Sein Nachlass: PA AA, Nachlass Werner Otto von Hentig (NL 103); vgl. NL 103, Bd. 123, Scans A-277–A-279 und A-281–A-285 (Korrespondenz aus Djakarta, 1952–53). Zurück zum Text
  80. 80
    Bericht der Botschaft Ber.Nr. 1624/68, „Protest der sowjetzonalen ‚Vereinigung demokratischer Juristen‘ wegen der Hinrichtung dreier zum Tode verurteilter führender indonesischer Kommunisten“, Djakarta, 19. November 1968, gez. Bassler. PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 409, Scans A-334, A-335. Zurück zum Text
  81. 81
    Werz an Ministerialdirektor Meyer-Lindenberg, „Persönlich“, Djakarta, 25. Oktober 1965. PA AA, Nachlass Luitpold Werz, Bestellnr. 3, Scan A-257. Zurück zum Text
  82. 82
    Aufzeichnung des Ministerialdirigenten und Leiters der Unterabteilung I B (Dg I B), IB5-82.00/92.16-2142/65 VS-V, Bonn, 11. Juni 1965, „Kommunistische Anschuldigungen gegen Botschafter Werz“, an den Staatssekretär (in seinem Büro eingegangen am 15. Juni 1965); Wortlaut: „An der einwandfreien Vergangenheit von Botschafter Werz könne meines Erachtens kein Zweifel bestehen“. Die Anlage zu einer gesonderten Aufzeichnung vom 18. Juni 1965 (ZA 2-56-SP-533/65 VS-Vertr., abgelegt „zu IB5-2231/65“), „Tätigkeit von Botschafter Dr. Luitpold Werz während der nationalsozialistischen Herrschaft“. PA AA, B 130 VS-REG, Bd. 2586 A, Scans A-426, A-429 (Aufzeichnung) und A-428, A-427 (Anlage); Wortlaut der Anlage: „Seine Vergangenheit ist die eines untadeligen Beamten“; „basieren auf unbewiesenen Unterstellungen, falschen Kombinationen und reiner Verleumdung“. Zurück zum Text
  83. 83
    Braunbuch. Kriegs- und Naziverbrecher in der Bundesrepublik und in Westberlin. Staat, Wirtschaft, Verwaltung, Armee, Justiz, Wissenschaft, hg. vom Nationalrat der Nationalen Front des Demokratischen Deutschland und vom Dokumentationszentrum der Staatlichen Archivverwaltung der DDR, 3., überarbeitete und erweiterte Aufl., Berlin (DDR): Staatsverlag der DDR, 1968 (XVIII + 439 S.), Kapitel „Diplomaten Ribbentrops im Auswärtigen Dienst Bonns“, Abschnitte „Gestapo-Mitarbeiter leiten die Ostabteilung“ und „Sie besetzen Bonns Auslandsvertretungen“, sowie die Namenliste „Ribbentrop-Diplomaten im Auswärtigen Dienst“. Die Seitenangaben in diesen Anmerkungen folgen der neu gesetzten digitalen Ausgabe bei archive.org (archive.org/details/braunbuchBRD): S. 323–325, in der Namenliste S. 336 (Baßler), 351 (Luedde-Neurath), 353 (Mirbach), 365 (Weiz) und 366 (Werz). Die erste Auflage (340 S.) wurde am 2. Juli 1965 auf einer internationalen Pressekonferenz vorgestellt (Vorwort zur 3. Aufl.). Die darin zitierten Dokumente des Auswärtigen Amts stammen aus den Akten des Reichsaußenministeriums, die damals im Deutschen Zentralarchiv Potsdam lagen und sich heute im Bundesarchiv befinden (R 901); das „NS-Archiv“ der Stasi, aus dem solche Veröffentlichungen schöpften, liegt heute im Bundesarchiv, zu dem seit 2021 auch das Stasi-Unterlagen-Archiv gehört. Zurück zum Text
  84. 84
    Reinhard Gehlen, Der Dienst. Erinnerungen 1942–1971, Mainz/Wiesbaden: v. Hase & Koehler, 1971, S. 309 (beide Zitate). Wortlaut: „Der Erfolg der indonesischen Armee, die in der Folgezeit die Ausschaltung der gesamten kommunistischen Partei mit Konsequenz und Härte verfolgte, kann nach meiner Überzeugung in seiner Bedeutung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.“ Im Satz davor heißt es: „Der Dienst war in der glücklichen Lage, der Bundesregierung aus hervorragenden Quellen ebenso rechtzeitig und eingehend über den Ablauf der für Indonesien so entscheidenden Tage berichten zu können, wie er frühzeitig auf die sich zuspitzende Lage hingewiesen hatte.“ Die englische Ausgabe (The Service. The Memoirs of General Reinhard Gehlen, 1972, S. 273) spricht von „one particularly reliable source“ in Indonesien. Die Bundestagsdrucksachen (Drucksache 18/1377, 6. Mai 2014, S. 1, und Drucksache 18/1554, Vorbemerkung) datieren die Äußerung, gestützt auf Rainer Werning, Osnabrücker Jahrbuch Frieden und Wissenschaft 15/2008, S. 185, Anm. 6–7, auf das Fernsehmagazin „Monitor“ im Jahr 1996. Werning übernahm das Zitat aus dem Sendemanuskript der Monitor-Ausgabe vom 10. Oktober 1996, die aus den Memoiren zitierte; Gehlen selbst starb 1979. Zu Rudolf Oebsger-Röder: Antwort der Bundesregierung, Deutscher Bundestag, Drucksache 20/5697, 17. Februar 2023, Antwort zu Frage 10: „Dr. Rudolf Oebsger-Röder war von 1948 bis 1966 und innerhalb dieses Zeitraums von Dezember 1959 bis Dezember 1962 sowie von Juli 1964 bis März 1966 in Indonesien für die Organisation Gehlen bzw. den nachfolgenden Bundesnachrichtendienst tätig.“ Zu den drei für den BND tätigen Personen: Drucksache 20/5697, Antworten zu den Fragen 8 und 9; Wortlaut: „Aus den händisch überprüften Akten konnten bisher drei Personen festgestellt werden, die im Zeitraum von 1965 bis 1968 in Indonesien für den Bundesnachrichtendienst tätig waren.“; „im Rahmen der Beschaffung von Informationen“. Zu seiner Entlassung und seiner späteren Tätigkeit als Quelle: BND-Aufzeichnung vom 14. Juni 1984 (TgbNr. 388/84 VS geh., BND-Archiv 24617, S. 292–297), abgedruckt in: Bodo Hechelhammer (Hg.), Walther Rauff und der Bundesnachrichtendienst, Mitteilungen der Forschungs- und Arbeitsgruppe „Geschichte des BND“, Nr. 2, 23. September 2011, S. 19–20; Wortlaut: „Dez 1962 – Jul 1964 Resident in BANGKOK, dann auf Weisung Pr wegen der NS-Belastungen entlassen, dann aber noch Juli 1964 – 31.3.66 als Quelle in INDONESIEN tätig“; „Bei Freund und Feind als BND-Mann bekannt“; „Wurde nach eigenen Angaben vom indonesischen Dienst angegangen, um Sprachregelungen in die Presse zu lancieren.“ O. G. Roeder, The Smiling General. President Soeharto of Indonesia, Djakarta: Gunung Agung, 1969. Ein Korrespondent „Dr. Roeder“ übermittelte über den Fernschreiber der Botschaft Meldungen aus Jakarta für die Deutsche Welle und den Deutschlandfunk: Fernschreiben (verschlüsselt) Nr. 473 aus Djakarta, 9. Oktober 1965, PA AA, B 37 REF. IB5, Bd. 169 A, Scan A-495. Oebsger-Röder war promoviert (Dr. phil., Leipzig 1936) und schrieb aus Jakarta als O. G. Roeder; kein bisher eingesehenes Dokument nennt ihn ausdrücklich als Absender. Zu seiner Laufbahn in SS und SD: Michael Wildt, Generation des Unbedingten. Das Führungskorps des Reichssicherheitshauptamtes, Hamburg: Hamburger Edition, 2002, S. 477–478; Lutz Hachmeister, Der Gegnerforscher. Die Karriere des SS-Führers Franz Alfred Six, München: C. H. Beck, 1998, S. 75–78; Ernst Klee, Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main: Fischer, 2007, S. 442. Zu Suhartos Befehlsgewalt über die Tötungen: Robinson, The Killing Season, a. a. O.; Jess Melvin, The Army and the Indonesian Genocide: Mechanics of Mass Murder, London/New York: Routledge, 2018. Zurück zum Text
  85. 85
    Gespräch zwischen Bundeskanzler Erhard und Präsident Johnson, Washington, 27. September 1966 (Aufzeichnung Z A 5-87.A/66 geheim, VLR Kusterer), in: Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland 1966, München 1997, Dok. 302, S. 1263–1268, hier S. 1264 f. und 1267. Zurück zum Text
  86. 86
    Interview mit Baskara T. Wardaya, Historiker an der Sanata-Dharma-Universität, Yogyakarta, für unseren Dokumentarfilm; Zitat nach den englischen Untertiteln des Films, 00:40:21–00:40:34. Zurück zum Text
  87. 87
    Deutscher Bundestag, Drucksache 18/1554, 27. Mai 2014, Antworten zu den Fragen 8, 9 (siehe Anm. 33), 10, 11, 13, 15, 16, 17 und 18. Die Antworten zu den Fragen 10, 15 und 18 wurden als „VS – Vertraulich“ eingestuft und in der Geheimschutzstelle des Bundestags hinterlegt; der Teil der Antwort zu Frage 16, der den Bundesnachrichtendienst betrifft, wurde als „Geheim“ eingestuft. Wortlaut: „keine Daten mehr“; „nach heutigem Kenntnisstand weder direkt noch indirekt unterstützt“; „In den bislang erschlossenen Akten des Bundesnachrichtendienstes findet sich kein Beleg für eine Unterstützung durch den Bundesnachrichtendienst im Sinne der Anfrage“; „Der indonesische Brigadegeneral Sukendro hat Deutschland in der zweiten Novemberhälfte des Jahres 1965 besucht.“ Drucksache 20/5697, 17. Februar 2023, Antworten zu den Fragen 14/15 und 20–22. Wortlaut: „keine Anhaltspunkte für eine zweckgerichtete Verstrickung“; „teilt nicht die den Fragen zu Grunde liegende Hypothese einer Unterstützung“. Zur Amtseinführung Prabowo Subiantos: The Diplomat, 20. Oktober 2024. Zu Suharto als Nationalheld: Human Rights Watch, 10. November 2025; Al Jazeera, 10. November 2025. Begründung für die Einstufung der Antwort von 2014 zu Frage 15: „Im Rahmen der Zusammenarbeit der Nachrichtendienste sind Einzelheiten über die Ausgestaltung der Kooperation vertraulich zu behandeln.“ Deutscher Bundestag, Drucksache 19/21639, 14. August 2020, schriftliche Frage 3 (Dr. André Hahn); Wortlaut: „Mutmaßung“; „im Rahmen des Massenmords“; „mit Geld-, Beratungs- und Geräteleistungen“; „ist nicht zutreffend“; die Antwort zur zweiten Teilfrage wurde als „VS – GEHEIM“ eingestuft. Hahn: Jonas Mueller-Töwe, t-online, 8. September 2020; Wortlaut: „Die darin enthaltenen konkreten Zahlen zu tatsächlich geleisteten Unterstützungen des Regimes sollen offenkundig nicht bekannt werden.“ Die Behauptung, der BND habe in der Botschaft eine „legale Residentur“, intern „FB 70“, unterhalten, geht auf die WDR-Sendung Monitor vom 10. Oktober 1996 zurück, nach der Zusammenfassung bei Werning, a. a. O. (siehe Anm. 84), S. 185. Zurück zum Text

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